Veni, creator Spiritus

Die antike Literatur kennt die Anrufung der Musen durch die Dichter. Sie bitten um eine Teilhabe an den Ideen und Gedanken der Götter, die von den Musen aufgefangen und an die Dichter übertragen werden. Die Musen erfüllen die Aufgabe von Medien, sie sind Übertragungsinstanzen mit gleichwohl eigenem Leben und Dasein.

Pfingsten ist eine neue Version dieser antiken, heidnischen Vorstellungen. Die Aussendung des Heiligen Geistes übersetzt die antike Inspirationslehre in die christliche Lehre von den brennenden Zungen. In der Apostelgeschichte heißt es (Luther-Übersetzung):

Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander.

2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.

3 Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen,

4 und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.

Erweitert wurde diese Pfingsterzählung durch ein Gebet, das Rabanus Maurus zugeschrieben wird. Es soll kurz nach 800 entstanden sein und hat sieben lateinische Strophen: Veni, creator Spiritus.

Die erste:

Veni, creator Spiritus/mentes tuorum visita:/imple super gratia,/quae tu creasti pectora.

In der Übersetzung durch Martin Luther:

Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist,/besuch das Herz der Menschen dein,/mit Gnaden sie füll,/denn du weißt,/dass sie dein Geschöpfe sein.

Und hier die besonders schöne musikalische Version durch Giovanni Pierluigi da Palestrina (1525-1594):

Pfingsten

Allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs wünsche ich ein

Frohes und heiteres Pfingstfest!

WDR 5 wiederholt heute (ab 16.04 Uhr) in der Sendung „Redezeit“ das Gespräch, das ich vor wenigen Tagen mit Julia Schöning geführt habe.

Viel Vergnügen!

Vorbereitung auf Pfingsten 2

Pfingsten ist das große heitere Fest! Mondscheinatmosphären, Junigefühle, Dramatische Szenen, ein Leben in Bädern, liebestrunkene Bäche, überbordende Rede, Inspirationen von Oben und allen Seiten!

Pfingsten ist das Fest des Murmelns und Singens, das Fest der munteren, leichten Launen wie der hintergründig porösen Auftritte!

In diesem Sinn meine zweite Empfehlung – ein Büchlein von Alain de Botton: Die Freuden der Langeweile (Fischer Taschenbibliothek).

Alain de Botton ist ein seltener Schriftsteller, der eine besondere Methode des Schreibens entwickelt hat. Er nimmt sich ein Thema vor (Das Reisen, die Liebe, die Architektur etc.) und entwickelt seine spezifischen Dimensionen durch kurze Erzählungen, die das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln präsentieren und umkreisen.

Solche Erzählpassagen werden im zweiten Gang als Stoffe unserer Lebenskunst untersucht und begrifflich erfasst.

Im dritten Gang blickt Alain de Botton auf die zurückgelegten Wege zurück: Wie ist aus der Erzählung ein Wissen um unsere Verhaltensformen entstanden? Und was schließen wir daraus für die Zukunft?

In Die Freuden der Langeweile kann man diese Methode anhand von neun Kurzessays kennenlernen. Themen sind (zum Beispiel): Aufenthalte auf Flughäfen/Zoobesuche/Dialoge von Liebenden (in der Phase der Liebesanbahnung)/Charmefiguren der Langeweile…

Es ist eine Freude, diese Erzählexperimente zu lesen (man sollte es unbedingt mehrmals tun). Die Essays beginnen mitten im Leben, voller Unschuld, aber so, dass man ihre Schlitzohrigkeit bereits spürt. Man lässt sich führen – bis die ersten Deutungsangebote serviert werden: höflich, vorsichtig, nie beengend.

Und schon ist man dabei: das Leben und die Kunst, sich in ihm zurecht zu finden, frei mitgestaltend…

 

Vorbereitung auf Pfingsten

Pfingsten ist das große heitere Fest! Sonne, Maiatmosphären, Lyrismen, ein Leben im Freien, liebestolle Bäche, sprudelnde Rede, Inspirationen von Oben und allen Seiten!

Pfingsten ist das Fest der Sprachen und Dialekte, das Fest des virtuosen Deklamierens wie auch des naiven Gestehens!

Zur Vorbereitung auf die beiden wunderbaren Tage empfehle ich ein neues Buch von Ursus Wehrli: Heute habe ich beinahe was erlebt. Ein Tagebuch (Kein & Aber Verlag Zürich Berlin)

Ein schmales, betont graues Tagebuch im Notizbuchformat, linierte Seiten, handschriftlich präsentierte Eintragungen, Kaffee- und Weinflecken dekorativ eingearbeitet! Ein Tagebuch wie aus der Küche derer, die sich Mühe geben, ein Tagebuch zu führen, jedoch mit jedem Eintrag mehr spüren, dass es im Grunde nichts Bedeutsames einzutragen gibt – und dennoch weiterschreiben!

Also schreibt man/sie/er/Ursus Wehrli:

Samstag: Früh aus dem Bett, aber nur kurz. Schlafe danach bis Mittag. Am frühen Abend lasse ich den Tag Revue passieren und kann zu Recht stolz sein.

Oder:

Sonntag: Die Lösung: Von nun an tue ich einfach immer so, als ob es mir gutginge.

Oder:

Dienstag: Habe den ganzen Tag mit Tagebuchschreiben verbracht. Mir blieb kaum Zeit, daneben noch was zu erleben.

Man sollte sich vollsaugen mit diesen Eintragungen, denn auf die Dauer machen sie etwas mit einem. Sie reduzieren aufs Äußerste, lassen einem kaum noch Raum und Luft, zwingen einen, zur aboluten Simplizität zurückzukehren. Anspruchslos, geradlinig und offen für alles.

Das ist es – und deswegen ist dieses Büchlein viel mehr ist als ein Scherzartikel für Schreibwillige…: man sollte es einfach (auch) ernstnehmen.

Wie es weitergeht

Gestern wurde bekannt, dass die Buchmesse in Frankfurt am Main in diesem Jahr stattfinden wird! Das ist eine gute Meldung: für die Verlage, die Buchhändler, für die Autoren, aber auch für die Leserinnen und Leser!

Ich nehme sie zum Anlass für einen kurzen Ausblick. Wie geht es mit meinen Büchern und Lesungen weiter (vorläufiger, bisheriger Stand)?

  • Anfang Juli erscheint mein Buch Italienische Momente (btb). In dieser Anthologie kommentiere ich Passagen aus meinen Werken, die in Venedig, Rom, Neapel, Sizilien oder an der adriatischen Meeresküste spielen. Ein Lesebrevier für alle Italien-Liebhaber!
  • Am Dienstag, 29.09.2020, 18 Uhr, führe ich mit der Schriftstellerin Mariana Leky im Rahmen der Westerwälder Literaturtage ein Gespräch über den Norden (im Kulturwerk Wissen/Sieg). Dabei stellen wir in abwechslungsreicher und gewohnt unterhaltsamer Form Texte und Bücher vor, die der Erkundung der nordischen Länder dienen.
  • Im Oktober 2020 erscheint in der Dieterich´schen Verlagsbuchhandlung Mainz (DVB) mein neues Buch In meinen Gärten und Wäldern. Darin porträtiere ich viele Pflanzen, Sträucher und Bäume in jenen Stuttgarter und Westerwälder Gärten und Wäldern, in denen ich seit Jahrzehnten lebe. Die kurzen Prosatexte werden von Fotografien begleitet, einige kennen die Leserinnen und Leser dieses Blogs bereits durch meine Blogeintragungen in den letzten drei Jahren.
  • Am Sonntag, 18.10.2020, 18 Uhr, lese ich im Rahmen der Westerwälder Literaturtage aus meinem Hemingway-Roman Der von den Löwen träumte (Kulturwerk Wissen/Sieg).
  • Am Sonntag, 6.12.2020, 18 Uhr, stelle ich mein neues Buch In meinen Gärten und Wäldern in einer Lesung im Kulturwerk Wissen/Sieg vor.

Was von Corona bleibt

(Heute auch als Kolumne im „Kölner Stadt-Anzeiger“, S.4)

Neulich las ich einen Artikel des Schriftstellers Cees Nooteboom, in dem er darüber nachdachte, was von Corona bleiben könnte. Die Welt werde nicht mehr so sein wie früher, schrieb er, denn die Zeiten der Stille seien so tief in unseren Köpfen gespeichert, dass wir sie nie mehr vergessen würden. Corona als traumatisches Erlebnis, das uns noch in unseren Träumen und Albträumen lange beschäftigen wird?

Ich habe darüber mit meinen Freunden gesprochen, sie waren zunächst geteilter Meinung. Einer erzählte von seiner Reha, die er vor einigen Jahren in einer Klinik verbracht habe. Er hatte sich dem Reglement der Ärzte untergeordnet und sich bei seiner Entlassung geschworen, den wiederhergestellten Körper auch weiterhin streng unter Kontrolle zu halten. Schon zwei Wochen später hatte er die guten Vorsätze über Bord geworfen und bewegte sich, rauchend, trinkend und zu viel essend, wieder im alten Trott.

Ein anderer Freund erzählte davon, dass er vor allem während des ersten Coronamonats an sich selbst eine „Umwertung der Werte“ wahrgenommen habe. Menschen, Dinge und Ereignisse, denen er zuvor noch einige Aufmerksamkeit geschenkt habe, hätten sich plötzlich als banal und überflüssig erwiesen. Richtiggehend abgestoßen sei er von Nachrichten über Sophia Thomalla, die Gehaltsforderungen von Manuel Neuer oder die Diät-Probleme der britischen Royals gewesen. Auch habe er sich nicht mehr vorstellen können, jemals wieder an einer Kreuzfahrt teilzunehmen oder mal eben für ein Wochenende auf die Kanaren zu fliegen. Der überdrehte, verschwenderische, unreflektierte Luxus habe ihn angeekelt, und dieser Ekel sei geblieben, bis jetzt.

Solche Erfahrungen hatten auch andere Freunde gemacht. Einer berichtete von der positiven Kehrseite des Selbstekels, die zu einer stärkeren Anteilnahme am Leben anderer Menschen geführt habe. Mehr Mitgefühl als früher habe er gespürt und sich nach freiwilligen Hilfsdiensten für ältere und kranke Menschen erkundigt. Inzwischen sei er nebenbei als Fahrer für eine caritative Organisation unterwegs und könne sich nicht mehr vorstellen, damit wieder aufzuhören. Die Dankbarkeit der Hilfsbedürftigen tue ihm nämlich gut, und er habe das Gefühl, etwas Sinnvolles zum Leben anderer beizutragen.

Also doch?! Sind die stillen, einschneidend wirkenden Coronazeiten stärker als das Reglement in einer Reha-Klinik? Ja, behaupten die meisten Freunde, sie wirken stärker, weil es kollektive Ereignisse sind. In ihnen erleben wir uns nicht als prinzipiell heilbare, singuläre Gestalten mit individuellem Schicksal, sondern als kollektive Wesen, deren Handeln positive oder negative Konsequenzen für alle hat. Ein wegschauendes Handeln mit dem Blick nur auf sich selbst steht unter Verdacht. Schon wer sich nicht ausreichend informiert und lieber den Kopf in den Sand steckt, kann andere Menschen in Lebensgefahr bringen. Auch deshalb ist die Angst trotz der Lockerungen momentan noch da.

Die Menschen halten Abstand und tragen Mundschutz nicht deshalb, weil sie Geboten und Regeln folgen, sondern weil sie den Tod vor Augen hatten. Eine so furchtbare Erfahrung hinterlässt tiefe Spuren, auch wenn sie nicht laufend spürbar sind. Sie haben sich jedoch längst in unsere Erfahrungswelt eingegraben. Seit Corona bewegen wir uns vorsichtiger, halten häufiger inne, driften in Tagträumen ab und stellen vieles infrage. So gesehen, hat Cees Nooteboom mit seinen Andeutungen recht. Wir werden aber nicht nur schwerer träumen und aufmerksamer atmen, nein, wir werden noch lange mit dem „zweiten Blick“ leben. Er wird das früher fraglose Dasein durchdringen und die tiefen Schatten wahrnehmen, die sich seit Corona mit ihm verbinden.

Der Fotograf Karl Lagerfeld

Mein Buch Paris, links der Seine (Insel-Verlag) ist weit mehr als ein Buch über einen bestimmten, klar begrenzten Raum der Metropole Paris (das fünfte und sechste Arrondissement). Es ist auch ein Buch über die Protagonisten, Künstler, Musiker, Schriftsteller, Fotografen und Filmemacher dieses historisch so bedeutsamen Raums. Von ihren Sprachen, Medien und Kulturen erzählt es während ausgedehnter Flaniergänge durch die schmalen, alten Gassen und Straßen, die sich am linken Seineufer befinden.

Eine dieser zentalen Gestalten ist auch Karl Lagerfeld. Seit vielen Jahren habe ich seine Bücher, Interviews und Inszenierungen verfolgt – daher freut mich die große Ausstellung, die das Kunstmuseum Moritzburg (in Halle) jetzt dem Fotografen Lagerfeld widmet:

https://www.kunstmuseum-moritzburg.de/museum-ausstellungen/sonderausstellungen/karl-lagerfeld-fotografie/

Eingeladen wird man zu dieser Ausstellung auch durch klug komponierte Video-Beiträge, die Lagerfelds fotografische Bildideen verdeutlichen:

Ortheil live in WDR 5

Heute bin ich von ca. 11.05 Uhr bis 11.30 Uhr live in der Sendung Neugier genügt von WDR 5 zu hören. Ich unterhalte mich mit Julia Schöning.

Hier auch abrufbar in der Mediathek von WDR 5:

https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/neugier-genuegt/redezeit-hanns-josef-ortheil-100.html

 

Domgeschichten

Jahrhunderte alte Kirchen sind mit der Geschichte ihrer Städte und Ortschaften eng verbunden. Sie sind mehr als sakrale Räume, in denen Gottesdienste stattfinden. Von vielen Bewohnern werden sie auch gelegentlich aufgesucht, für einen Rundgang oder auch nur für ein paar Minuten, in denen man in ihnen zur Ruhe kommt. Durch solche Besuche erhalten sie einen privaten Status und werden zu einem Teil der alltäglichen Lebenswelten, in denen sich Menschen bewegen.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der Kölner Dom für mich ein derart erlebter Raum ist. Es gab sogar eine Zeit, in der ich nicht an ihm vorbeigehen konnte, ohne ihn zumindest kurz zu besuchen und mich in ihm aufzuhalten. In meinem autobiografischen Roman Die Erfindung des Lebens habe ich von den sonntäglichen Spaziergängen erzählt, die meine Eltern und mich während meiner Kindheit am Rhein entlang zum Dom führten. Zogen sich die Gottesdienste hin, langweilte ich mich. Dagegen gab es jedoch ein Mittel: Ich schaute mir ein Glasfenster, eine Skulptur oder sonst ein Detail des Domes länger und genauer an. Zu manchen entwickelte sich dadurch eine persönliche Nähe. Sympathien entstanden, und ich ertappte mich als Kind manchmal dabei, dass ich mich mit bestimmten Figuren sogar heimlich unterhielt.

Daran musste ich denken, als ich die Domgeschichten las, die Barbara Schock-Werner (von 1999 bis 2012 Dombaumeisterin und Leiterin der Dombauhütte) erzählt. Sie picken sich jeweils ein Detail des Domuniversums heraus, gehen seiner Herkunft oder Entstehung nach – und tun das nicht mit einem kunsthistorischen Gestus, sondern so, dass man als Leser sofort versteht, in welcher Verbindung es zu seiner Erzählerin steht.

Eine weiße Mosaikhand am südlichen Domportal, eine fast hundert Jahre alte Feuerwehrleiter in der Nordturmhalle, die mittelalterliche Bauzeichnung der Westfassade im Chorumgang – das sind Details, die aufmerksame Besucher wahrnehmen, ohne sich ihr Erscheinen aber genauer erklären zu können. Den Staunenden springen die Geschichten von Barbara Schock-Werner bei, nicht besserwisserisch oder belehrend, sondern in einem unaufgeregten, sympathischen, hilfreichen Plauderton. Joachim Frank, Chefkorrespondent des Kölner Stadtanzeigers, hat sie aufgezeichnet und den privaten Ton genau getroffen. In seiner Zeitung sind viele der Geschichten zuerst erschienen und haben die Leserinnen und Leser fortlaufend mit dem notwendigen Domfeeling versorgt.

Jetzt gibt es sie auch als Buch (Dumont Buchverlag), ergänzt durch Fotografien von Csaba Peter Rakoczy, ausgestattet mit Plänen und Literaturhinweisen, die weiterführen.

Ich hab meine Freude an diesen Domgeschichten. Manchmal habe ich versucht, die Illusion durch eine Orgelimprovisation des Domorganisten Martin Meyer zu vertiefen: als befände ich mich vor Ort und sähe und hörte Szenen aus meinen Kinderjahren.

Charaktere 2

Die Charaktere des griechischen Dichters Theophrast (am besten liest man sie in der schmalen Ausgabe des Reclam-Verlages, griechisch und deutsch, übersetzt und hrsg. von Dietrich Klose) sind schon seit langem eine meiner Lieblingslektüren. In ihnen wurden zum ersten Mal in der europäischen Literatur einzelne Typen des sozialen Lebens genau beobachtet und „charakterisiert“.

Die dreißig kurzen Texte gelten Figuren wie etwa „dem Redseligen“, „dem Bedenkenlosen“, „dem Gerüchtemacher“ oder „dem Spätgebildeten“. Theophrast seziert nicht ihre Psyche, sondern zeigt, wie und woran man sie erkennt. So erzählt er von ihrem Tun und Lassen bis in die Details ihrer Selbstdarstellung. Sein Büchlein wurde dadurch auch zu einem Grundlagenbuch für Epiker und Dramatiker, die erfuhren, wie man einzelne Figuren vorstellt und entwickelt.

Ich folge Theophrast und schreibe eine kleine Studie in seiner Manier. Sie gilt dem „Enthusiasten“.

  • Der Enthusiast schwingt die Flügel der Einbildungskraft. Mit ihrer Hilfe fliegt er in Richtung zukünftiger Ländereien, die er unbedingt verwirklicht sehen möchte.
  • Spricht er von ihnen, gerät er in einen Rausch. Glühend vor Begeisterung, malt er die Zukunft aus.
  • Wendet man dies oder das gegen sein Schwärmen ein, reagiert er empfindlich, oft sogar beleidigt.
  • Seine Träume gehören anfänglich nur ihm, so solitär sind sie gebaut. Verwirklichen will er sie aber mit anderen, von denen er umstandslos annimmt, dass sie ebenfalls Enthusiasten sind.
  • Nichts verabscheut er so sehr wie Bedenkenträger oder Menschen, die jeden Schwung durch Einwände ausbremsen.
  • Hat er sich einem Ziel verschrieben, verwendet er allen Eifer, es zu verwirklichen, bis hin zur Selbstaufgabe.
  • Durch seine starke Empfindlichkeit saugt er von allen Seiten Begleitung an: Bilder, Musik, Tanz – alles, was ihn auch nur entfernt berührt, nimmt er auf seinen Ritten und Wegen mit.
  • Kappen böse oder finstere Mächte seinen Lebensernst, klappt er zusammen und regt sich nicht mehr.
  • Er ist und bleibt ewig jung. Nicht einmal vorstellen kann er sich, dass er altert oder seine Pläne etwas Gestriges haben könnten. In seinen Augen sind sie die Glanzlichter einer besseren Zeit.
  • Gerät er einmal außer sich, weil ihn sein großer Schwung fortträgt, lädt er alle rasch zum Essen und Trinken ein. Sein finaler Traum ist das große Fest.