Ein Paris-Buch

Jahrelang habe ich für ein Paris-Buch recherchiert, in dem ich die alten und neuen Welten „links der Seine“ erkunde. Hunderte von Büchern habe ich gelesen und kurze Parisaufenthalte dazu genutzt, von den Bewohnern vor Ort viel zu erfahren. Aus all diesem Material ist ein seltsames Buch entstanden: Eine Grand Tour durch das alte Herz von Paris als Erlebnisgang ohne Pausen, eine Studie der früheren und heutigen Milieus, eine Erzählung von den Protagonisten und den Erinnerungen, die sich in meinem eigenen Leben mit ihnen verbinden. Heute um 18.14 Uhr habe ich das Manuskript beendet. Im September wird das Buch im Insel-Verlag erscheinen.

Das schottische Hochlandrind

Wir kennen uns nun schon seit einiger Zeit, wir kommunizieren. Ich ahne nicht, was Du von mir hältst, ich jedenfalls halte viel von Dir und habe schon daran gedacht, über Dein Landleben eine Erzählung zu schreiben. Du sollst die Hauptperson sein, ich nur eine Nebenfigur: Der Wanderer, der oft lange vor Deinem Zaun stehenbleibt, Dich anschaut und versucht, in Deinen stillen Träumen zu lesen…

Fermers Wanderungen 2

Fermer blickte hinüber zu der alten Abteikirche, die er seit den Kindheitstagen kannte. Die kleine Glocke läutete. In wenigen Minuten würden sich die Mönche im Chor versammeln und mit ihrem Vespergesang beginnen.

Die Klosterbibliothek

Die Klosterbibliothek der alten Zisterzienserabtei Marienstatt im Westerwald (über die ich in Was ich liebe und was nicht geschrieben habe) soll einen Ausbau (Lager) erhalten. Der wird ca. 400 000 Euro kosten. Ich sitze mit Abt Andreas und einer beratenden Bau- und Bibliothekskommission in einem Raum der Abtei, und wir denken darüber nach, wie dieses Geld zu beschaffen wäre. Am liebsten würde ich genau an diesem Ort sofort mit dem Geldsammeln beginnen, zum Beispiel im Verlauf einer Exerzitienwoche für hundert Abteigäste: Askese für alle – und jedweden Überfluss für die Bibliothek.

In tiefer Nacht

Sitze nach einer Lesung in tiefer Nacht allein in einem Bielefelder Hotelzimmer, wie es scheußlicher nicht sein könnte. Und denke, vor mich hin starrend, laufend dasselbe in kleinen Variationen: dass mein ganzes Schreiben auf familiäre Räume fixiert ist. Auf die meiner Großeltern, die meiner Eltern, die meiner eigenen Familie. Dass ich jede winzige Bewegung und Verschiebung in diesen Räumen wie ein Erdbeben empfinde. Dass ich nur mit unendlichen Mühen in die extrafamiliären Räume gelange und mich dort gleich eine starke Panik befällt. Dass ich mich aus ihnen zurückziehe und sofort den nächstbesten Zug besteige, um wieder vor der eigenen Wohnungstür anzukommen. Dass ich ins Haus schlüpfe und sofort eine Kerze entzünde, zum Dank, dass ich wieder einigermaßen unversehrt zurückgefunden habe.

Der (noch) leere Saal

In etwa einer Stunde wird dieser Saal bis auf den letzten Platz gefüllt sein. Du wirst hinter dem schlichten Tisch auf dem schwarzen Klavierhocker sitzen und versuchen, den Raum zum Klingen zu bringen. Nach weniger als einer Minute wirst Du wissen, ob es gelingt…