Ich lese gerade, ach nein, ich schaue und blättere gerade in Aperitivo. Die Kunst des guten Essens vor dem Essen“, bei Dumont erschienen.
Ohne mich vorerst in Ideen zu dieser Kunst zu vertiefen, lasse ich die bunte Galerie der kleinen fotografierten Essobjekte an mir vorüberziehen – und bei jeder einzelnen mache ich einen kurzen Halt, weil ich sie am liebsten sofort auf einen schmalen Tisch im Freien zaubern würde. Um sie zunächst nur lange zu betrachten, dann vorsichtig zu kosten, ganz vorsichtig, nicht gleich zuviel – denn es handelt sich um nichts anderes als Minimal Art.
Die mit Ricotta, Basilikum, Knoblauch und getrockneten Tomaten gefüllten und gegrillten Auberginenröllchen! Der fermentierte schwarze Knoblauch auf strahlendweißer Burrata, gekrönt von einer eingelegten Sardelle! Oder die winzigen Mozzarelline mit Petersilienbesatz, Zitronenabrieb, Knoblauch und einem Schuss Peperoncino!
Die Rezepte tun einfach und erinnern an die Elternsprüche bei Betrachtung abstrakter Kunst: Das kann mein Kind auch! Von wegen! Jede Nuance ist hier ein starker Akzent, und der Zusammenklang dieser Akzente ergibt jeweils einen vollen, eigenständigen Raumkörper und die Erfahrung eines unvorstellbar verführerischen und nachwirkenden Genießens.
Hinter all diesem Zauber stecken Mercedes Lauenstein und Juri Gottschal, die vor vielen Jahren das Onlinemagazin Splendido gegründet und schon mehrere Bücher veröffentlicht haben (darunter welche mit den passendsten Speisen zum Erleben der vier Jahreszeiten auf italienische Art).
Jedes Mal geht es keineswegs nur um eine Mahlzeit oder nur um das Essen, sondern um die Einheit von Stimmung und Freude an reduzierter Intensität. „Aperitivo“ beschert alles, was man am späten Nachmittag, im Kreis einer gut gelaunten Gesellschaft, auf der Zunge langsam zergehen lassen kann, bevor der schwerere Abend die Glocken läutet.



