Mario Adorf ist gestorben. Als Filmschauspieler und Schriftsteller hat er mein ganzes leben begleitet. Ich erinnere mich gut an ein längeres öffentliches Gespräch, das ich mit ihm im Literaturhaus Stuttgart aus Anlass des Erscheinens eines seiner Bücher vor großem Publikum führen durfte.
Es gab ein Vorgespräch, wir saßen zusammen im Restaurant des Lithauses und unterhielten uns locker und entspannt. Plötzlich hielt er lächelnd inne, legte seine rechte Hand auf meine linke und sagte: „Hans, ich will Dir was sagen. Wir machen uns heute einen wunderschönen Abend. Du sagst ein paar Worte zur Einführung, und dann lese ich zwei meiner Erzählungen. Einverstanden?“
Genau so kam es dann, ich sagte ein paar Sätze, und er las und las, immmer begeisterter werdend …
Auf Phoenix ist ein Gespräch mit ihm zu verfolgen, in dem er auch über Grundlagen der Schauspielkunst – Talent, Handwerk und Ausarbeitung einer Rolle – spricht:
Allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs wünsche ich ein ruhiges, konzentriertes Wochenende!
In diesem Jahr feiert Japan das Jahr des Pferdes. Während der Ostertage ging ich daher wieder einmal in das Museum für Ostasiatische Kunst in Köln (eines meiner Lieblingsmuseen), um mir eine Ausstellung anszuschauen, die das Pferd aus der Perspektive der Kunst zum Thema macht:
Große, lichte Räume, schon das Entrée des Museums wirkt anziehend und bereitet auf die asiatisch akzentuierten Inspirationen vor.
Entrée
Der Rundgang ist danach voller starker Entdeckungen, etwa dem eines gesattelten Pferdes aus der Tang-Dynastie (618-907).
Gesatteltes Pferd
Ich empfehle diese wunderbare Ausstellung sehr. Am 18. April eröffnet übrigens das kleine Museumscafé wieder, das leider lange geschlossen war. Darauf freue mich besonders – man schaut aus der Stille der Räume auf den Aachener Weiher!
Man könnte die Bücher des Philosophen und Erzählers Peter Sloterdijk als einen fortlaufenden durchdringenden Kommentar zu „Erscheinungen“ der Gegenwart lesen.
Sie werden analysiert, gedeutet – und mit einem weiten Horizont von Entstehungsprozessen verbunden.
Das macht Sloterdijks Bücher zu Philosophemen, die immer auch tief in die Erlebnisformen der Leserinnen und Leser eingreifen, sie orten und neu gestalten.
Heute ist in der FAZ sein neues Buch besprochen, ich habe es noch nicht gelesen, werde mich aber möglichst bald in die Lektüre vertiefen!
Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag und Ostern – liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs, ich wünsche Ihnen eine intensiv erlebte Karwoche und ein sonniges Osterfest!
Heute feiert Wolfgang Niedecken seinen 75. Geburtstag! Und er tut das nicht im Stadion oder in der Lanxess Arena mit Tausenden von Fans, sondern in der Kölner Philharmonie!
Wo er auch nicht von seiner Band, sondern von einem Pianisten (Mike Herting) begleitet wird! Das Ganze ist als eine „poetisch“ verlaufende Feier angelegt, eher intim, eher ruhig, eher still: „Aus gegebenem Anlass. Zwischen Start und Ziel“.
Alexander Kluge ist im Alter von 94 Jahren in München gestorben. Ich kannte kaum einen anregenderen Denker, der auf vielen Terrains (Literatur, Film, Produktionen von Gesprächssendungen mit vertrauenswürdigen Partnerinnen und Partnern) unterwegs war und eine unglaubliche Fülle von Themen ansprach, neu dachte und in Bewegung hielt.
Nach seinem Tod habe ich mich wieder in sein literarisches Hauptwerk, die „Chronik der Gefühle“ (zwei Bände, ingesamt 2000 Seiten) vertieft. Nachts habe ich von seinen Erzählungen geträumt und war mit ihm im Osten Europas unterwegs.
Um einen ersten Einblick in sein Denken zu vermitteln, leite ich ein Gespräch weiter, das er mit Klara Obermüller nach dem Erscheinen der „Chronik“ auf 3sat geführt hat. Es ist auch eine Einführung in seine Themenwelt:
Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein gedankenreiches Wochenende und einen guten Einstieg in die Karwoche!
Der Frühjahrsbeginn 2026 könnte auch ein Signal dafür sein, im Wiener Kunsthistorischen Museum eine Ausstellung (bis 6.9.2026) zu besuchen, die uns die Entstehung der bekanntesten Schaubilder Venedigs in Bildern von Canaletto (1697-1768) und Bellotto (1722-1780) vor Augen führt:
Wir könnten erfahren, wie der Großraum Venedigs für den Blick konzipiert wurde – für den aus der Höhe, für den Rundumblick und für den auf die Häuser entlang des Canal Grande, der die architektonischen Feinheiten der letzten Jahrhunderte aufblättert.
Nach dem Frühjahrsauftakt am 20.3.2026 in meiner SALA Ortheil kündige ich hier einige der nächsten Lesungen und Veranstaltungen zum Notieren und Planen an:
Am 24. April 2026 unterhalte ich mich um 19 Uhr im Glashaus des Staatstheaters Mainz mit dem Mainzer Bischof Peter Kohlgraf über „Glück und Gnade des Schreibens“. Moderiert wird die Veranstaltung von SWR-Redakteur Alexander Wasner:
Am 23. Mai 2026 spreche ich um 18 Uhr in der SALA Ortheil (Mittelstraße 6, 57537 Wissen/ Sieg) darüber, wie Francis Scott Fitzgerald seinen späteren Erfolgsroman „Der große Gatsby“ entwarf und schrieb:
Am 25. Juni 2026 lese ich im Rahmen des Festivals „Literatur am Dom“ um 18.30 Uhr in Altenberg, moderiert von Denis Scheck, aus meinem Roman „Schwebebahnen“.
Am 26. Juni 2026, 20 Uhr, stelle ich im Rahmen des Festivals „Literatur am Dom“ während eines Lesedinners ein Menü nach Passagen aus meinen Büchern vor.
Und am 10. Juli 2026 lese ich auf dem Weingut Pieper-Basler in Offenburg aus meinem Roman „Schwebebahnen“ und gehe danach in die Sommerferien (nähere Informationen folgen).
Das war ein sehr schöner und anregender Frühlingsauftakt, gestern in meiner SALA in Wissen/Sieg! Herrliches Wetter und viele interessierte Leserinnen und Leser, die teilweise von weither gekommen waren!
Das offene Gespräch jonglierte Fragen aller Art: „Wann reisen Sie mal wieder nach Lateinamerika?“ / „Stimmt es, dass Ihr Roman ‚Die Erfindung des Lebens‘ bald u.a. in Rom verfilmt wird?“/ „Wie organisieren Sie Ihre Arbeit und den Tagesverlauf?“/ „Welches neue Buch von Ihnen erscheint im Herbst?“ etc.
Die Veranstaltung war auch eine verkürzte Preview zu den Westerwälder Literaturtagen2026, die am 23.04. beginnen: https://ww-lit.de/
Nach zwei Stunden trennten wir uns, gut gelaunt, entspannt und voller Vorfreude auf viele weitere Lesungen in diesem Jahr!
Mir gingen auf dem Nachhauseweg Walzer von Frédéric Chopin durch den Kopf, gespielt von Alexandre Tharaud („Herr Ortheil, hören Sie unterwegs manchmal Musik?“).
Damit verbunden, wünsche ich allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs ein sonniges Frühlingswochenende.
(Am 20.3.2026 auch als Kolumne im „Kölner Stadt-Anzeiger“, S. 4)
Bei keinem anderen Thema sind meine Freunde und ich derart einig wie bei der Frage danach, ob Köln sich in ferner Zukunft an der Ausrichtung olympischer Spiele beteiligen sollte: Natürlich, unbedingt, welche deutsche Stadt denn sonst? Etwa Berlin oder München oder Hamburg?
Schon wenn die Namen genannt werden, schütteln wir verständnislos den Kopf. Dabei geht es zunächst gar nicht darum, was Köln bereits jetzt alles an erprobten Sportstätten zu bieten hat. Es geht eher um schöne Traum- und Fantasiebilder, die zum Beispiel zeigen, wie elegant der olympische Marathon links- und rechtsrheinisch am Ufer entlang und über die Kölner Brücken führen wird, während die Seilbahnen voyeuristisch über die Zoobrücke schaukeln. Die Brückenläufe könnten jene des olympischen Paris noch übertreffen und ein Rheinpanorama vorstellen, das bereits im Mittelalter bei den meisten Besuchern aus fernen Ländern für große Begeisterung sorgte.
Mit Antike und Mittelalter sind auch bereits die stärksten historischen Argumente für unsere Kölner Heimat genannt. Die Geschichte Kölns ist europäisch, sie beginnt in der Römerzeit und wird im Mittelalter dadurch gekrönt, dass der aus Mailand importierte Sarkophag der Heiligen drei Könige die Stadt zur bedeutendsten Pilgerzentrale nördlich der Alpen machte. Hunderttausende strömten zum Dom und in die Kölner Kirchen, die in ihrer romanischen Vielfalt ihresgleichen suchen.
Diese große und weit angelegte Geschichte hat Köln seither zu einer der gast- und menschenfreundlichsten deutschen Städte überhaupt gemacht. Die jährlich eintrudelnden Fremdenscharen werden schon bald kölsch infiziert, durch ein einzigartiges schwach alkoholisches Getränk gleichen Namens und durch Lieder, die um nichts anderes kreisen als die unbedingte Liebe der Einheimischen zur Stadt.
Sie vermitteln ein Glücksgefühl, das niemand von ihnen hinterfragt oder zerredet, weil es die preußischen Anomalien von Rechtfertigung hierzulande nie gegeben hat. Gefestigt und fast täglich erneuert wird es durch den Gang in ein Brauhaus und die vielen Gespräche im heimischen Veedel, die dort bis in die Nacht zwanglos verlaufen. All diese Umstände haben sich seit langem wie durch einen rheinischen Zauber ergeben, der selbst Menschen, die den kölnischen Dialekt nicht gekonnt sprechen, überfällt, sobald sie die erste Bäckerei betreten.
Marietta Slomka, wegen ihrer Heimatverbundenheit seit 25 Jahren besonders beliebte ZDF-Moderatorin des „heute journals“, hat von den inspirierenden Gesprächen in diesen Bäckereien erzählt. Sobald sie am Morgen eine von ihnen betritt, schaltet die innere Moderatorinnenstimme auf Offenheit und Zugänglichkeit, so dass sie sich in Acht nehmen muss, Mainz am Studio-Abend nicht mit Köln zu verwechseln.
Das verweist letztlich darauf, was einen erwartet, wenn es Köln wirklich schaffen sollte, zusammen mit einigen Nachbarregionen olympische Spiele zu organisieren. Das Ergebnis könnte ein Freudenfest sein, das vor allem von der Nähe der Bewohner zu ihrer Stadt angefacht und gestaltet wird. Im Zentrum dieser bald überspringenden Nähe könnte das olympische Dorf stehen, das sich in Köln im Handumdrehen in ein kölsches Veedel eigener Art verwandeln würde.
Als der italienische Humanist Francesco Petrarca Köln im Spätsommer 1333 besuchte, fand er kaum genug Worte für seine sich überschlagenden Eindrücke. Zum Johannisfest hatten sich am Rheinufer viele Mädchen und Frauen versammelt, um das jährliche Ritual der körperlichen Waschung von Armen und Händen zu begehen: „Ich rief, nicht ohne innigen Anteil des frohen Gefühls: Wie beneide ich euch, ihr glücklichen Anwohner des Rheins, dass der Fluss eure Klagen und euren Kummer so wegschwemmt!“
Petrarca war einer der ersten aufmerksamen Beobachter des in Köln überspringenden Zaubers – das beweist der „innige Anteil des frohen Gefühls“, und er war zugleich auch einer der ersten, die sich von der verblüffenden Gelassenheit eines kölschen Grundgesetzes beeindrucken ließen: „Wat fott es, es fott.“