Ehrung durch die Kölnerinnen und Kölner

Den Kölner Stadt-Anzeiger gibt es seit 150 Jahren. Wegen dieses besonderen Jubiläums wurde die Leserschaft aufgefordert, Persönlichkeiten zu nennen, die Köln prägen und durch ihr Tun und Denken verkörpern. Insgesamt entstand dadurch ein Kreis von 150 Personen, in den ich – zu meinem großen Erstaunen – auch gewählt wurde.

Ich bedanke mich! 

https://www.ksta.de/150aus150/150-aus-150-hanns-josef-ortheil-schrieb-schon-ueber-70-buecher-1315617

Verbunden mit dieser berührenden Nachricht wünsche ich entspannte Tage!

Auflösung des Sommerrätsels

Liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs,

ich hatte Ihnen – mit dem Blick auf ein Fünf-Gänge-Menü während des Altenberger Festivals „Literatur am Dom“ die Frage danach gestellt, mit welchen meiner Bücher Sie einen bestimmten Gang verbinden würden.

Ich habe 83 Rückmeldungen erhalten! Vielen Dank! 

Hier eine mögliche Lösung der Rätsel:

  1. Gratinierte Austern = Paris, links der Seine
  2. Fischsuppe = Die große Liebe
  3. Lasagne = Rom, eine Ekstase
  4. Involtini = Das Kind, das nicht fragte
  5. Cannoli = Die Insel der Dolci/ Schwebebahnen

Die „kleine Aufmerksamkeit“ verschicke ich im Laufe díeser oder der kommenden Woche!

Matinée in Aachen – zum Gesamtwerk

Am kommenden Sonntag, den 5. Juli 2026, spreche ich in einer Matinée ab 11 Uhr im Ludwig Forum in Aachen mit Alwin Mueller-Jerina nicht über einen einzelnen meiner Titel, sondern über mein Gesamtwerk!

Wir sondieren die zentralen Gruppen, und ich lese kurze Ausschnitte, so dass die ganze Vielfalt meiner Themen und Vorhaben deutlich wird.

Diese sehr besondere Veranstaltung bereitet das neue Buch („Das Panorama des Schreibens“) vor, das im Herbst 2026 bei Luchterhand erscheinen wird.

Ich lade herzlich zu dieser Sonntagsmatinée ein und wünsche ein sonniges Wochenende!

https://www.aachen.de/kalender/2026/q3/kultur/2026-07-05-27.-literarischer-sommer-matinee-zum-werk-von-hanns-josef-ortheil/

Das schönste Literaturfestival Deutschlands

Das Literaturfestival Literatur am Dom, das in diesem Jahr zum fünften Mal in der Nähe des Altenberger Doms stattfand, ist das schönste in ganz Deutschland. Und das nicht nur, weil das Programm auch diesmal mit Autorinnen und Autoren (wie etwa Helga Schubert, Anja Kampmann, Nino Haratischwili und Kristof Mafnusson) besetzt war, die von der Kuratorin Karin Graf und dem Kurator Denis Scheck beziehungsreich ausgewählt wurden.

https://literatur-am-dom.de/

Sondern auch, weil vergleichbar schön gelegene Räume nicht zu finden sind. Alle Lesungen und Veranstaltungen fanden open-air statt, einerseits im Küchenhof des Romantik-Hotels Altenberger Hof, andererseits auf seiner überdachten Terrasse, direkt gegenüber dem Eingang zum Dom.

Ich hatte das Vergnügen und die Freude, zusammen mit Denis Scheck in beiden Räumen aufzutreten. Zunächst anlässlich einer Lesung aus meinem Roman „Schwebebahnen“ (25. Juni 2026, Eröffnungslesung), dann am Folgetag zur einem literarisch inspirierten, abendlichen Genussdinner, in dessen Verlauf ich mich mit dem Autor und Gourmet Denis Scheck über Themen der Gastrosophie unterhielt.

Dinner
Dinner

 

Wir hatten für die Leserinnen und Leser ein Menü in fünf Gängen ausgetüftelt, das sich auf Passagen in meinen Büchern bezog:

Ostriche gratinate al burro di zenzero e miso (Gratinierte Austern mit Ingwer-Misobutter) **

Zuppa di pesce sambenedettese (Bouillabaisse, evtl. Rochenflügel, Gamba, Miesmuschel) **

Lasagne alle verdure | Spuma di pomodoro bianco (Gemüselasagne, weißer Tomatenschaum, confierte Kirschtomate, Zucchinipicatta) **

Involtini di lombo di vitello, verdure alla siciliana, gnocchi alla salvia (Involtini Kalbsrücken, Artischockencreme, sizilianisches Gemüse, Salbeignocchis) **

Cannoli alla ricotta, gelato al pistacchio, ciliegie al maraschino (Cannoli Ricotta, Pistazieneis, Maraschino Kirschen)

Wer von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs, kann einem dieser Gänge ein bestimmtes Buch zuordnen? Schreiben Sie mir die Lösung (ortheil.hannsjosef@gmail.com) und vergessen Sie Ihre Anschrift nicht, dann erreicht Sie eine kleine Aufmerksamkeit!

Viel Vergnügen beim Vermuten und Raten und einen guten Start in die neue Woche!!

Heisse Lesereise

Am Donnerstag, 25.6.2026, 18.30 Uhr, lese ich im Rahmen des Festivals „Literatur am Dom“ in Altenberg, moderiert von Denis Scheck, aus meinem Roman „Schwebebahnen“!

https://literatur-am-dom.de/programm/donnerstag-hanns-josef-ortheil/

Und am Freitag, 26.06.2026, 20 Uhr, unterhalte ich mich ebenfalls in Altenberg im Rahmen eines literarisch inspirierten Genussdinners über kulinarische Freuden, Experimente und Erfahrungen mit dem Gourmet Denis Scheck!

https://literatur-am-dom.de/programm/freitag-literarisches-menue-mit-hanns-josef-ortheil/

Ich freue mich auf Ihre Teilnahme an diesen lange geplanten und mit besonderer Sorgfalt vorbereiteten Veranstaltungen, beide im Freien!

Aperitivo

Ich lese gerade, ach nein, ich schaue und blättere gerade in Aperitivo. Die Kunst des guten Essens vor dem Essen“, bei Dumont erschienen.

Ohne mich vorerst in Ideen zu dieser Kunst zu vertiefen, lasse ich die bunte Galerie der kleinen fotografierten Essobjekte an mir vorüberziehen – und bei jeder einzelnen mache ich einen kurzen Halt, weil ich sie am liebsten sofort auf einen schmalen Tisch im Freien zaubern würde. Um sie zunächst nur lange zu betrachten, dann vorsichtig zu kosten, ganz vorsichtig, nicht gleich zuviel – denn es handelt sich um nichts anderes als Minimal Art.

Die mit Ricotta, Basilikum, Knoblauch und getrockneten Tomaten gefüllten und gegrillten Auberginenröllchen! Der fermentierte schwarze Knoblauch auf strahlendweißer Burrata, gekrönt von einer eingelegten Sardelle! Oder die winzigen Mozzarelline mit Petersilienbesatz, Zitronenabrieb, Knoblauch und einem Schuss Peperoncino!

Die Rezepte tun einfach und erinnern an die Elternsprüche bei Betrachtung abstrakter Kunst: Das kann mein Kind auch! Von wegen! Jede Nuance ist hier ein starker Akzent, und der Zusammenklang dieser Akzente ergibt jeweils einen vollen, eigenständigen Raumkörper und die Erfahrung eines unvorstellbar verführerischen und nachwirkenden Genießens.

Hinter all diesem Zauber stecken Mercedes Lauenstein und Juri Gottschal, die vor vielen Jahren das Onlinemagazin Splendido gegründet und schon mehrere Bücher veröffentlicht haben (darunter welche mit den passendsten Speisen zum Erleben der vier Jahreszeiten auf italienische Art).

Jedes Mal geht es keineswegs nur um eine Mahlzeit oder nur um das Essen, sondern um die Einheit von Stimmung und Freude an reduzierter Intensität. „Aperitivo“ beschert alles, was man am späten Nachmittag, im Kreis einer gut gelaunten Gesellschaft, auf der Zunge langsam zergehen lassen kann, bevor der schwerere Abend die Glocken läutet.

Aperitivo
Aperitivo

Italia 2026

(Am 17. Juni 2026 auch als Kolumne im „Kölner Stadt-Anzeiger“, S. 4)

Auch in diesem Jahr bin ich mit meiner berüchtigen Kölner Crew (wir sind allesamt 70+!) rechtzeitig zu Beginn der Vorsaison an die adriatischen Strände in den Süden aufgebrochen! Wie stehts und geht’s diesmal in Italien? Mal sehen!

Nach wir vor ist die Lebenserwartung so hoch wie sonst nirgends in Europa, besonders hoch ist sie aber in der Region der Marken, wo wir uns bereits gegen 10 Uhr zum „Salute al sole!“ mit anderen über Siebzigjährigen zur Gymnastik am Meer treffen. Exzellent ist hier besonders das Training der Hüften, was die Hüftoperationen in dieser Gegend nach unten hat schnellen lassen. „Uno, due, tre …“, wir machen begeistert bin und wirbeln mit den Hüften, was das Zeug hält.

Gegen 11 Uhr sind die Ragazzi gefordert, deren lange Sommerferien gerade begonnen haben. Giorgia Meloni hat in den Schulunterricht eingegriffen und das Schreiben mit der Hand (nach dem Vorbild von Schweden und anderen nordischen Ländern) wieder auf das Programm für die kommende Saison setzen lassen. Angetan beobachten wir, dass die jungen Leute gegen Mittag im Schatten der Strandbars mit Kuli und Feinliner Danteverse abschreiben und das sogar noch durch lautes Vorlesen toppen.

Die Eltern liegen dann längst am Strand und konzentrieren sich bereits auf die zentralen Mittagsfragen: Linguine con salmone oder Tortellini con ragù? Die Debatten verlaufen erregt und klammern jede politische Nuance aus. Was Giorgia bevorzugt, ist nämlich weitgehend egal. Egal ist aber nicht, welche Nudelsorte Herr Sinner laufend im Fernsehen empfiehlt. Die italienischen öffentlich-rechtlichen Programme senden Werbung den ganzen Tag, und Herr Sinner ist gegenwärtig der absolute Star, niemand cremt die Haut so dezent und nachsichtig mit der besten Sonnencreme ein und zupft die Pasta derart locker auf den Teller.

So ist die Vorsaison der Beginn einer unendlich nachwirkenden Gelassenheit, durch keine quertreibenden Feierdonnerstage gestört, die in Deutschland als Brückentagelemente dazu dienen, das halbe Land zu durchqueren, um am Tegernsee eine Weisswurst zu essen oder in Kampen auf Sylt ein vom Schriftsteller Christian Kracht kulinarisch getestetes Fischbrötchen zu kauen.

Selbst der Sport greift nicht störend ein, denn Italia hat sich in weiser Voraussicht, die Schönheit der stillen Tage zu bewahren, nicht für die Fussball-WM qualifiziert. Die Spiele interessieren hier kaum einen Menschen, und da das so ist, werden sie auch nur von speziellen Bezahlsendern angeboten. Die öffentlich-rechtlichen haben nur mit den Schultern gezuckt und angewidert mitgeteilt, dass man sich für eine WM in den USA sowieso nicht hergegeben hätte. Trump und mickriger Fussball?! Beides zusammen?! Oh nein, das ginge zuweit!

Nach der mehrstündigen Mittagssiesta schwimmen wir weit hinaus, bis zu den formschönen Riffen. Am späten Nachmittag ziehen am Himmel Scharen von Drohnen auf, die sämtliche Positionen der wagemutigsten Schwimmer exakt orten. Von kurzfristig eingeschalteten Hubschraubern aus sind stechende, warnende Pfiffe aus Soprantrillerpfeifen zu hören, allesamt auf Verdis bekannteste Opernmelodien gepolt. Wir winken kurz zurück und machen uns auf den Rückweg in unser Strandhotel, wo die neusten Sommerhits im Teesalon in angenehm kleiner Besetzung ohne Gesang intoniert werden. Wir schwingen wieder die Hüften, diesmal aber ohne Kommando, einfach so.

Linguine oder Tortellini? Am Abend stellen sich solche Fragen nicht. Wir geben uns dem Fisch- und vor allem dem Weingenuss hin. Angesagt sind die überaus seltenen Bomboletti, kleinste Meeresschnecken, die man mit spitzen, hölzernen Zahnstochern aus ihrem Gehäuse zieht und auf der Zunge mit einem Schuss Weisswein kombiniert. Das Meer, der Himmel und Spuren von Erde begegnen sich dadurch, und wir wiederholen die schönen Sentenzen des großen Pianisten András Schiff, der uns auf Instagram soeben versichert hat: Italien ist das schönste Land Europas, nirgends ist die Luft so fein, und nirgends flirren die Finger so emphatisch über die schwarzweißen Tasten! Alles ist prachtvoll, rundum …- wir stimmen zu!