Tagebücher lesen

Die genaue Lektüre von Tagebüchern, die Schriftstellerinnen und Schriftsteller geschrieben haben, ist für die Leserschaft „in meinen Augen“ deshalb von höchstem Interesse, weil sie Aufschluss darüber geben, wie (im Idealfall) kreative und produktive Menschen ihre Tage organisieren.

Planen sie den Ablauf? Sind bestimme Momente/ Tageszeiten/ Anläufe der Inspiration bemerkbar? Holen sie sich diese Inspirationen durch Lektüren/ Musik/ ausgedehnte Reisen? Wie strukturieren sie Zeiten des Nachdenkens oder der Meditation? Welche Personen in der näheren Umgebung tragen dazu bei, Ihr Leben zu fundamentieren? etc.

All diese Fragen führen zum zentralen Thema, der Lebenskunst! Sie ist das Stichwort für die Folge der Stunden, ihren möglichen Tiefgang, ihre oberflächlich, aber ebenso notwendig bleibenden, inspirierenden Pausen etc.

Ich empfehle an dieser Stelle Tagebücher von …

Max Frisch

André Gide

Julien Green (mein persönlicher Favorit)

Jules und Emond de Goncourt

Patricia Highsmith

Franz Kafka

Paul Léautaud

Samuel Pepys

Slyvia Plath

Jules Renard

Virginia Woolf

Es ist kein Wunder, dass besonders viele französische Tagebücher auftauchen. Denn die französische Literatur gründet besonders stark auf autobiografischen Perspektiven. Der große, frühe Inspirator dieser Tendenzen war Michel de Montaigne (mit der Erfindung seiner Essays).

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs ein schreibintensives Wochenende!

Herbstbeginn – Ein Herbstgespräch in der SALA Ortheil

Am 2. Oktober 2026, 16 Uhr, lade ich in die SALA Ortheil zu einem Herbstgespräch über das Thema „Leben und Schreiben 2026 Teil 2“ (Nach dem Frühjahrsgespräch Teil 1 im März 2026).

Ich unterhalte mich in freier Improvisation mit meinen Gästen, spreche über meine laufenden Buchprojekte und über Rainer Maria Rilkes „Briefe an einen jungen Dichter“ (1927), das meistverkaufte Rilke-Buch weltweit, dessen Gedanken über literarische Kreativität von enormem Einfluss auf die Künste waren.

Da die Zahl der Sitzplätze begrenzt ist, wird um eine Voranmeldung unter ortheil.hannsjosef@gmail.com gebeten (Sie erhalten eine Rückmeldung durch mein Büro, wenn noch Plätze frei sind. Da der Andrang meist groß ist, bitte ich um Verständnis, wenn jene Personen bevorzugt werden, die zum ersten Mal an einer Veranstaltung in der SALA teilnehmen wollen. Unterstützen Sie die Veranstaltung bitte vor Ort nach Möglichkeit mit einer freiwilligen Spende.)

Tagebuch schreiben 3

Liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs, nach dem Ausblick auf Themen und Motive, die Sie in ihren Tagebüchern bevorzugen, möchte ich auch einige nennen, die für mich selbst eine Rolle spielen:

Das Wetter (Stimmungen/ Himmelsbilder/ Umbrüche)

Die (auf dem Klavier) gespielte Musik und die täglich gehörte Musik aller Art

Der Gang in meine Gärten und Wälder (Blumen/ Sträucher/ Bäume/ Bilder und Geschichten)

Die tägliche Arbeit an meinen Texten (Chroniken, Tagebücher/ Ideen/ Erzählendes)

Die Einkäufe ( und die Gespräche in den Läden/ Die Entdeckungen)

Die Gespräche mit der Familie (oder mit Freundinnen und Freunden)

Die kleinen, inspirierenden Speisen und Getränke am frühen Morgen, mittags, nachmittags, abends, nachts (jeden Tag möglichst andere)

Der Tagesverlauf (Arbeitszeiten/ Freizeiten/ Zeiten des Resümierens)

Körperliche Bewegung aller Art (Spaziergang/ Flaniergang/ Schwimmen)

Die vergangene/ nahe/ die weite Zukunft (Rückblicke und Ausblicke / Planungen)

Ich habe mich schon manchmal gefragt, ob kurze Aufzeichnungen aus meinen Tagebüchern (in Buchform) genügend Leserinnen und Leser beschäftigen und interessieren könnten. Zum Beispiel solche aus meinem derzeitigen 75. Lebensjahr. Was meinen Sie?

Ich bin gespannt auf Ihre Rückmeldung (ortheil.hannsjosef@gmail.com) und wünschen Ihnen ein schönes Wochenende!

Tagebuch schreiben 2

Liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs, auf meine Frage, welche Themen oder Motive sie auf jeden Fall in kurzen Tagebuch-Einträgen festhalten, hat mir ein großer Kreis von Schreibwilligen geantwortet. Das hat mich verblüfft, weil ich das private Tagebuch für eine allmählich aussterbende Gattung hielt. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein.

Viele halten ihre Einträge offensichtlich für Momente eines aufs Wesentliche fokussierten Lebens und betonen, dass ihnen die regelmäßigen Aufzeichnungen wichtig sind und sie darauf keineswegs verzichten möchten.

Ich danke für Ihre Antworten und stelle einen ersten Überblick über die von Ihnen häufig genannten Themen zusammen:

Was habe ich alles gelesen (Bücher, Zeitungen, Werbung etc.)?

Was habe ich in der näheren Umgebung an Merkwürdigem/ Seltenem gehört oder gesehen?

Welche Musik habe ich gehört (zufällig auf unterschiedlichen Kanälen oder geplant in Konzerten)?

Wie war das Wetter?

Wie verlief der Tag?

Was habe ich gegessen?

Was gab es in meinem Garten zu sehen/ zu ernten?

Wie erging es der Familie? Welche unterschiedlichen Stimmungen gab es?

Welche Projekte (aller Art) erhoffe ich für die nächste Zeit?

Wohin möchte ich bald reisen? (wohin reiste ich vor kurzem und erinnere mich daran?)

Was waren „die ergreifendsten 5 Minuten“ eines Tages?

Was habe ich geträumt (und wie verstehe ich meine Träume?)

Mit wem habe ich telefoniert (oder auf anderen Kanälen Botschaften ausgetauscht)?

Welchen Sport habe ich wie lange betrieben?

 Das Thema scheint viele von Ihnen so sehr zu beschäftigen, dass ich Lust habe, in weiteren zukünftigen Blogeinträgen nach und nach einige unterschiedliche Tagebuchkonzepte von bekannten Autorinnen und Autoren zu skizzieren.

Ich stelle daher noch eine Zusatzfrage: Welches dieser Tagebücher haben Sie immer wieder einmal zumindest in Ausschnitten gelesen?

Tagebuch schreiben

Liebe Leserinnen und Leser, ich bitte Sie heute wieder um Mitarbeit und Mitdenken. Eine einfache Frage interessiert mich: Nehmen Sie an, Sie hätten jeden Tag eine relativ kleine Seite für das Schreiben eines Tagebuchs zur Verfügung (20 Zeilen). Was würden Sie Tag für Tag auf jeden Fall festhalten (das Wetter?, die Mahlzeiten?, den täglichen Sport?, politische Ereignisse? etc.)?

Ihre kurzen Antworten bitte an ortheil.hannsjosef@gmail.com – ich freue mich auf Ihre Texte, danke Ihnen für die Teilnahme an meiner Umfrage und wünsche Ihnen ein textgesättigtes Wochenende!

Pontormo Tagebuch

Intensive Bücher

Das Buch „Unser Schnütgen“ von Barbara Schock-Werner und Joachim Frank rechne ich zu den „intensiven Büchern“.

Das sind Bücher, die nie oberflächlich, sondern immer mit dem Blick auf Tiefenschichten und Emphasen angelegt sind. Die Autorin oder der Autor schreiben also nicht nur informativ, sondern auch auf passionierte, persönliche Art. Damit locken sie den Leser oder die Leserin, entsprechend auf kulturelle Objekte zu reagieren.

Das halte ich in einer Zeit, in der Kultur oft rasch, lust- und lieblos vermarktet und behandelt wird, für eine angemessene Gegenreaktion. Statt durch Räume und Orte zu laufen, zweihundert Fotos in zehn Minuten zu machen und darauf eilig davon zu hetzen, schätze und liebe ich Bücher, die zum genauen, langen und bleibenden Schauen und Beobachten anregen.

Hier eine kleine Liste eigener Bücher, die in meinen Augen zu den „intensiven“ gehören (Bücher auch anderer Autorinnen und Autoren mit diesem Impuls folgen bald):

Venedig. Eine Verführung

Rom. Eine Ekstase

Paris, links der Seine

Die Moselreise

Die Berlinreise

Die Mittelmeerreise

Unser Schnütgen

Einige Kunstbegeisterte halten das Schnütgen-Museum im Kulturquartier am Kölner Neumarkt für das schönste Museum der Stadt. Ich auch. Andere, die es vielleicht zum ersten Mal betreten, wundern sich, dass es so selten erwähnt wird.

Schon beim Hineingehen (vom Rotenstrauch-Joest-Museum aus) ereilt sie ein kurzer Schock, denn sie betreten keinen Museumsbau bekannter Art, sondern eine der ältesten Kirchen Kölns: Sankt Cäcilien, aus dem 12. Jahrhundert!

Man blickt in die Apsis, schaut auf die mächtigen romanischen Pfeiler und entdeckt viele Museumsstücke im Hauptschiff. Dort stehen sie wie wartende, stumme und in sich gekehrte Erscheinungen aus dem Mittelalter, scheinbar locker im Kirchenraum verteilt.

Nähert man sich, erzählen sie biblische Geschichten oder solche der Heiligen, unaufdringlich und geheimnisreich. Gehört man nicht zu den Eingeweihten, bleibt man weitgehend ahnungslos und muss sich aufs Raten verlassen.

Dem kommt das wunderbar komponierte Buch „Unser Schnütgen“ entgegen, den das Autorenduo Barbara Schock-Werner (ehemalige Dombaumeisterin) und Joachim Frank, (Chefkorrespondent des „Kölner Stadt-Anzeiger“) gerade im Greven-Verlag veröffentlicht hat.

Worin besteht das Wunderbare? Zunächst darin, dass eine facettenreiche Auswahl von 51 klug ausgewählten Meisterwerken vorgestellt wird, nicht im Gestus üblicher trockener Führungen, sondern passioniert, vom Kunsterlebnis ausgehend. Das bedeutet genaues, intensives Schauen und Beobachten, das Material und seine jeweilige Herkunft fixierend, überleitend zu bildlichen oder skulpturalen Motiven, und nicht selten endend in einem verhaltenen, gut begründeten Jubel über soviel rare Schönheit.

Für jedes einzelne Werk braucht man also einige Zeit, man sollte die Hinführung nicht nur verstehen, sondern auch als Annäherung genießen. Am besten also mehrmals lesen, den Text auf die Abbildungen beziehen, sie im Gedächtnis behalten und nicht lange warten, um die Werke vor Ort zu umkreisen.

So wachsen sie einem ans Herz, und man lebt weiter mit ihnen, mit dem Kopf eines Engels aus Tuffstein, einem prachtvollen Chormantel aus Seidensamt, dem elfenbeinernen Kamm des heiligen Heribert oder einem Holzkästchen mit Liebespaaren.

Ich selbst freue mich immer wieder über das nackte Christkind aus Nussbaum, den „Wonneproppen als Weltenherrscher“, mit rosigen Wangen, ein Äpfelchen (oder die Erdkugel?) in der linken Hand, die rechte segnend erhoben. In Italien, erinnere ich mich, nannte man solche Kleinkinder „Bambolotto“, und wenn man ihnen auf der Straße begegnete, gab es oft einen Volksauflauf: „Che bel bambolotto!“

„Unser Schnütgen“ ist also eine amüsante Einführung in das Sehen mittelalterlicher Kunst. Das bunte, liebevoll ausgestattete Buch macht immenses Vergnügen, und seine Gestalten haben etwas derart Anziehendes, dass sie einen „unversehens“ in die Träume begleiten. Eine Christkindwiege wird dann hin und her geschaukelt, ein Engel schlägt Trommeln, ein zweiter bläst kunstvoll in eine Flöte, und ein vergoldeter Bergkristall schimmert wie eine Geheimniszelle alles Wunderbaren.

Ich gratuliere zu diesem beeindruckenden Konzept und seiner eleganten Umsetzung!

Die Buchpremiere ist am kommenden Donnerstag, 20.08.2026, um 19:00 Uhr in der Workstage des Kölner Stadt-Anzeiger (Amsterdamer Straße 192, 50735 Köln)!

Unser Schnütgen

Auf Partnersuche

(Heute, am 14.8.2026, auch als Kolumne im „Kölner Stadt-Anzeiger“, S. 4)

Mein alter Freund Paul (Witwer, 72 Jahre, sportlich, begeisterter Radfahrer, Kölner) hat eher durch einen Zufall die Dating-Portale entdeckt, die von sehr vielen Partnersuchenden angesteuert werden. Sein Patenkind (22 Jahre, in Südamerika aufgewachsen und schon lange dort lebend) kommt zu einem dreiwöchigen Urlaub nach Köln und möchte sich einmal pro Woche mit einem etwas älteren (maximal 25 Jahre alten) Mann treffen.

Drei Männer in drei Wochen, und jeder sollte bestimmte Kriterien erfüllen: Vegetarier, FC-Fan, katholisch, Fahrradfreak, sportlich, guter Tänzer. Paul hat von solchen Portalen bisher nur wenig erfahren, die Präzision der Kriterien hat ihn erstaunt und nicht mehr in Ruhe gelassen. Wie junge Menschen das Internet nutzen, um rasch und ohne lange Umwege eine Begleitung (oder auch mehr) zu finden, interessiert und beschäftigt ihn jetzt.

Paul ist selbst oft allein unterwegs, deshalb fragt er sich, warum er nicht ein Portal für ältere Menschen ansteuert, seine Vorzüge anpreist (Schachspieler, begeisterter Schwimmer, gute Astronomie-Kenntnisse) und studiert, was sich tut. „Mein Gott“, lacht Paul, „was haben wir früher für Umstände gemacht, bis wir einen anderen Menschen kontaktiert haben! Ich habe es nie gewagt, mit einer Frau in einem Café zu sprechen, nein, ich habe meine Tasse Tee getrunken und stumm dazu ein Stück Kuchen gegessen, dabei hätte ich doch mal den Tisch wechseln können, um zu fragen: ‚Wie geht es Ihnen? Sie mögen Donauwellen, wie ich sehe! Ich mag sie auch, seit ich einmal in Österreich war. Lieben Sie Österreich etwa genau so wie ich?“

Ich habe Paul geantwortet, ich sei nicht sicher, ob eine solche Kontaktaufnahme noch viel Gegenliebe finden werde. Heutzutage könnte die Angesprochene so etwas nicht nur als peinlich empfinden, sondern im schlimmsten Fall sogar als Belästigung auffassen. „Flirten ohne Vorbekanntschaft“ sei ganz und gar aus der Mode, die großen Zeiten der Galanterie seien längst vorbei. Deshalb seien die Dating-Portale ja so erfolgreich. Sie legten Kriterien und Bedingungen für das Kennenlernen fest und steckten das Erlaubte genau ab. Und das bis hin zum Letzten. Denkt man nur an einen gemeinsamen Abend zu zweit im renovierten Kölner Schauspielhaus oder an eine Bekanntschaft, mit der man jeden Donnerstagabend im Kino verbringt?

Und wie steht es mit den Details der Kontaktaufnahme? Spazierengehen Arm in Arm? Eng umschlungen? Oder mit speziellen Kussrezitativen? Es fiel mir, ehrlich gesagt, schwer, die Liste weiter auszumalen, denn mein Freund Paul ist ein eher zurückhaltender Mensch, dessen Zurückhaltung ich schätze und respektiere. Wir haben die Themen der körperlichen Annäherung denn auch bewusst übersprungen, weil Paul einen anderen Gedanken hatte: „Im Grunde“, sagte er, „macht dieses Kontaktsuchen das Leben doch bunter und vielfältiger! Man lebt nicht mehr isoliert und hängt den eigenen Marotten nach, sondern öffnet sich für andere Menschen und studiert ihre Eigenheiten, bis zu den Hintergründen.“

Ich spürte, dass er sich mit diesen Ideen bereits ein wenig wie ein Therapeut verstand, der sich auf Lebensgeschichten einlässt und sie geduldig umkreist. „Mein lieber Freund“, antwortete ich, „das ist auch ein Thema für die Literatur, viele der Geschichten, die ich laufend im Kopf habe, beruhen auf Kontakten aller Art.“ Paul schaute mich entsetzt an und fragte, warum ich davon noch nie mit ihm gesprochen habe.

„Kreative Erfindungen brauchen das Beichtgeheimnis“, sagte ich, „sonst könnten sie kopiert, plagiiert oder KI-gestützt ausgenutzt werden. Besonders vor der KI sollte man sich hüten. Ich sende laufend falsche und irritierende biografische Informationen: ‚Eleganter Draufgänger, 55 Jahre, Französisch fließend und leidenschaftlich sprechend, Durchschwimmer des Ärmel-Kanals‘.

„Donnerwetter“, sagte Paul, als gingen ihm völlig neue Welten auf, „und wie reagiert die KI?“ – „Sie antwortet schlicht und langweilig: ‚Soll ich Dir weitere Informationen für autobiografische Texte geben?‘“

Allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs wünsche ich ein partnerreiches Wochenende!

Mein Jahr in Paris mit Gertrude Stein – Begegnungen

Als ich 1966 die deutsche Übersetzung von Ernest Hemingways Paris-Buch (Paris – ein Fest fürs Leben) las, erfuhr ich zum ersten Mal von Gertrude Stein. Hemingway erzählte davon, dass sie in den frühen Pariser Jahren seine Mentorin gewesen sei und dass er von ihr viel über das Schreiben gelernt habe.

Seither ist sie mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen, und ich habe oft an sie gedacht. Vor ein paar Jahren habe ich sogar vor ihrer Pariser Wohnung gestanden und habe die Umgebung erkundet (in Paris, links der Seine).

Kein Wunder also, dass mich das gerade auf Deutsch erschienene Buch von Deborah Levy (Mein Jahr in Paris mit Gertrude Stein) geradezu angesprungen hat. Wie erwartet, erzählt die Autorin u.a. davon, wie sie in Paris unterwegs gewesen und den Spuren von Gertrude Stein gefolgt ist.

Sie erzählt außerdem aber auch von den konkreten Lebensumständen ihrer eigenen Paris-Existenz und damit von ihren Freundinnen, deren Katzen und überhaupt von allem, was ihr durch den Kopf gegangen ist, während sie an einem Essay über Gertrude Stein schrieb.

All diese Themen und Linien nennt sie „Bewusstseinsströme“, und sie ist sehr virtuos darin, diese Ströme abzurufen, zu mischen und in Bewegung zu versetzen.

Letztlich führen sie dazu, dass man nicht nur über Gertrude Stein laufend Neues erfährt, sondern auch über ihre Lehrer, andere Schriftsteller, ihr Jahrhundert, die USA, das Schreiben, das Fantasieren, das Denken und und und …

In Kapitel 10 begegne ich etwa William James, dem Lehrer, der ein Buch mit dem Titel Prinzipien der Psychologie schrieb, sowie seiner Schwester Alice James, die durch ihr Tagebuch berühmt geworden ist und über die Susan Sontag ein Stück mit dem Titel Alice im Bett geschrieben hat – und schließlich auch Katharina Peabody Loring, eine „frühe Kämpferin für Frauenbildung“, die Alice James pflegte und liebte.

Nebenbei erscheinen auch einige Männer, etwa Jack Kerouac, der Unterwegs schrieb und dieses Schreiben als „spontane Prosa“ ähnlich begriff wie André Breton das „automatische Schreiben“, ganz zu schweigen von Walt Whitman, dem breitschuldrigen „Vater des freien Verses“, dessen Grashalme den weiten amerikanischen Himmel besingen.

So schwimme ich mit Deborah Levy (sie wurde in Südafrika 1959 geboren und lebt heute in London) in den Strömen um Gertrude Stein und mache mir alle paar Minuten eine Notiz. Ich notiere die Titel all jener Bücher und Titel, die Deborah Levy nennt und die ich noch nicht kenne, so entsteht eine sich laufend füllende Booklist.

Und was sage ich nun dazu? „Mal kucken!“

Mein Jahr in Paris

Wenn du tanzen willst

Lotte (geb. 1995), die Sängerin aus Ravensburg, die Violine, Gitarre und Klavier spielt, hat mit „Wenn du tanzen willst“ einen Song geschrieben, mit dem sie im September auch auf Tournee geht.

Für mich ist es der Sommerhit 2026. Damit verbunden, wünsche ich allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs viele durchtanzte Sommerabende.