Der Beginn meiner Herbst-Lesungen

Am kommenden Donnerstag (6. Oktober 2022) beginnen meine Herbst-Lesungen im Rahmen der Badenweiler Literaturtage, die ich zusammen mit dem Philosophen Rüdiger Safranski um 20 Uhr eröffne.

Ich lese Passagen aus dem Roman Ombra und spreche über meine Autobiographie des Schreibens (Ein Kosmos der Schrift), ohne deren Lektüre viele Zusammenhänge meiner Bücher im Dunkeln bleiben.

Als Zugabe werde ich zum ersten Mal aus den Charakteren in meiner Nähe (Reclam-Verlag) lesen, die ab dem 11. Oktober 2022 in den Buchhandlungen zu erhalten sind.

https://www.badenweiler-literaturtage.de/

Erwin Wortelkamp wird Ehrenbürger

Liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs,

Heute, am 01. Oktober 2022, wird mein langjähriger Freund Erwin Wortelkamp (geb. 1938 in Hamm/Sieg), dessen künstlerische Arbeiten ich jahrzehntelang mit meinen Texten begleitet habe, Ehrenbürger des Städtchens Acquaviva/Picena in den italienischen Marken, südlich von Ancona.

Während der festlichen Zeremonie wird auch mein Städteporträt von Acquaviva zu Wort kommen, das die Interessierten in den Italienischen Momenten (S.294300) finden. (Auf versteckte Weise spielt der Ort auch in meinem Roman Die große Liebe eine bedeutende Rolle.)

Hier der Anfang des Porträts:

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Vom nahen Meer aus sieht man die Häuserlinien des Ortes hoch oben, verteilt auf zwei Hügel­kuppen, eine geduckt liegende Katze, die hinauf­geflohen ist in die Berge, wo sie sich jetzt streckt in der Sonne.

Man erkennt das Kastell, das mächtige Rund des Hauptturms, der aber vom Meer aus nichts anderes ist als der Katzenkopf, schwer auf den Boden gesunken. Vom Kastell aus dehnt sich die Rückenlinie des Tieres in braunen Erdtönen über die beiden Hügel, haltend und ruhend. Meerabgewandt, fern erscheint der Ort, eine hohe, stille Schwebe, ein Vorposten der nahen Bergwelt, ein ganz in sich kauerndes Wesen.    

2

Fährt man vom Meer aus den langen Serpen­tinenweg hinauf, hält sich der Ort noch lange ver­steckt. Obwohl man kaum mehr als eine Viertel­stunde unterwegs ist, zeigt er sich erst ganz zum Schluß des Panoramawegs, um einen dann zu umschließen und einzufangen.

Jetzt, am Ende des Wegs, hat man das Meer verloren, der lange schillernde Anblick des weiten Blaus mit seiner weißen Strandlinie ist Teil einer anderen Geschichte, der Geschichte der Ebene, während hier oben, in Acquaviva, kaum acht Kilometer vom Meer entfernt, eine Geschichte der Höhe geschrieben wird, eine Geschichte aus Stein und Erde.

So hat man innerhalb kürzester Zeit zwei extrem verschiedene Welten erfahren; eben noch gab es nur die unendliche Dehnung des Meeresblaus, die Phalanx der ausfahrenden Schiffe, nichts als Spieltänze auf Horizontalen, während der Ort oben erstarrt scheint in vertikaler Behauptung, die Häuser sich an die Hügel klammern und das Kastell sich mit seinen vier Türmen vierfingrig hält.

Man steigt aus, und plötzlich ist die eigentümli­che Stille der Höhe da, kein Rufen, kaum Bewe­gungen, alles schaut, ist zur Ruhe gekommen. Doch, man sieht das Meer noch, wie ein nicht mehr erreichbares Traumterrain, das Gelände der freien Tage, unernst, heiter. Aber hier oben wird das alles nur noch erinnert; der Blick wendet sich anderen Verhältnissen zu, denen der umgeben­den Hügel und denen der Berge, die Schluß machen mit den leichteren Bildern der Ebenen.

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Die Landschaft, die man von der Höhe aus gewahr wird, eine beinahe klassische Landschaft der Marken, beschäftigt das Auge mit unend­licher Abwechslung auf engstem Raum. Der ungenaue Blick nimmt nichts anderes wahr als Felder und Weinberge, Olivenbäume, längst verlassene alte Bauernhäuser, schmale, kurven­reiche Wege und Pfade.

Schaut man sich aber in diese Landschaft hinein, so wird man die Abweichungen bemerken, die kleinen Unregelmäßigkeiten, Brüche, Verwerfun­gen, Schluchten, verstreut versetzte Bäume, eine absonderliche Geometrie der Flächen, die sich nirgendwo beruhigen und die seltsamsten Muster bilden.

Vertieft werden diese Muster durch die chan­gierenden Farben: ein immer wieder ins Dunkle übergehendes Ackerbraun, ein fahler, ausge­waschener Ockerton, ein undeutlich bleibendes Grün…, all das aber nur wie der Untergrund zu den erhabeneren Flächen des Himmels, der sich von den Bergen her auf die Landschaft zurollt. Es ist der Himmel, der diesen Ort berührt, oben vielleicht, an den Turmspitzen des Kastells. Und so gelten die Blicke der Bewohner dem Himmel und seiner beunruhigenden Weite, in steter Erwartung, was kommen wird, aus dem Jenseits der Berge…

Ich gratuliere Erwin und Ulla Wortelkamp, seiner Frau, ganz herzlich und wünsche Ihnen, den Leserinnen und Lesern dieses Blogs, ein entspanntes, verlängertes Wochenende!

Doppelleben von Alain Claude Sulzer

Der Schweizer Schriftsteller Alain Claude Sulzer erzählt in seinem Roman Doppelleben von den Brüdern Goncourt. Edmond (1822-1896) und Jules (1830-1870) hatten ein großes Vermögen geerbt und lebten zusammen in einem Haus, von dem aus sie das Pariser Künstler- und Literatenleben verfolgten und exponiert an ihm teilnahmen.

Ihre Eindrücke hielten sie in einem gemeinsam geschriebenen, zunächst geheim gebliebenen Tagebuch fest, das erst vor wenigen Jahren komplett auf Deutsch in elf Bänden erschienen ist. Nicht nur an diesem einzigartigen Dokument, sondern auch an ihren Romanen, Essays und Sachbüchern schrieben sie zu zweit und waren das prominente Beispiel einer nicht nachlassenden Bruderliebe.

Alain Claude Sulzer porträtiert ihr Doppelleben in wunderbar einfühlsam geschriebenen Szenen, die selbst etwas vom ästhetischen Impressionismus der Goncourts haben. So erlebt man die Pariser Welten des späten neunzehnten Jahrhunderts präzise und en détail, von den Gerüchen über die Klänge und Laute bis hin zu den oft skurrilen Dialogen und Beobachtungen der Protagonisten.

Der Roman komponiert kurze Szenen zu einer Folge, in deren Verlauf man immer näher an die Ideen, Vorlieben und Eigenheiten des Brüderpaares herangeführt wird. Man hört, liebt, isst und trinkt mit ihnen, und man erlebt, wie aus den Begebenheiten des Alltags literarische Texte entstehen.

Ganz nebenbei kommt man einem Rätsel auf die Spur, dessen psychologische Hintergründe bisher noch niemand so virtuos dargestellt hat.

Ich empfehle diesen Roman sehr, er gehört zu meinen Favoriten in diesem Herbst und hat meinen ganz persönlichen Deutschen Buchpreis verdient!

  • Alain Claude Sulzer: Doppelleben. Roman. Galiani Berlin 2022

700 Jahre Weihe des Kölner Domchores

Vor 700 Jahren, am 27. September 1322, wurde der gotische Chor des Kölner Doms, in dem heute der Dreikönigenschrein steht, geweiht.

Aus diesem besonderen Anlass hat der Kölner Stadt-Anzeiger ein 3D-Modell des Doms vorgestellt, mit dessen Hilfe man den gesamten Dombau aus allen nur denkbaren Perspektiven studieren kann:

https://kstamedien.pageflow.io/koelner-dom-in-3d#350355

Heute Abend um 18.30 Uhr findet im Dom ein feierliches Hochamt statt, das vom Domradio auch in die Ferne übertragen wird.

Donna Leon wird 80 Jahre alt

Die amerikanische, in der Schweiz lebende und von Venedig geradezu besessene Schriftstellerin Donna Leon wird übermorgen achtzig Jahre alt. Deshalb hat die NZZ ein Interview mit ihr veröffentlicht, das mir aus vielerlei Gründen gefällt (siehe unten).

Würde man mich dagegen fragen, ob mir ihre Brunetti-Romane gefallen, würde ich so antworten, wie sie das tut, als sie auf die deutschen Verfilmungen angesprochen wird: Nächste Frage bitte! Anders als sie haben mich aber diese sehr deutschen Verfilmungen immer angezogen, und ich habe sie oft und immer wieder gesehen.

Warum? Weil ich die Handlung weitgehend ausblendete und die auftretenden Figuren der Serie mochte. Und weil ich mich auf die Ecken und Winkel Venedigs konzentrierte und viele wiedererkannte.

Brunettis venezianische Wohnung liegt in den Verfilmungen genau gegenüber dem Deutschen Studienzentrum (siehe Foto unten!). Über diese Nachbarschaft habe ich eine kuriose Erzählung geschrieben: Brunetti winkte. Bald wird sie in einem Jubiläumsband des Studienzentrums erscheinen.

https://www.nzz.ch/feuilleton/ich-bin-so-froh-ist-commissario-brunetti-kein-dysfunktionaler-alkoholiker-der-nur-schlechte-laune-verbreitet-ld.1698608

Einladung zu einem literarischen Wochenende

Liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs, ich lade Sie herzlich zu einem sehr besonderen, literarischen Wochenende in meinem westerwäldischen Heimatort Wissen/Sieg ein.

Es beginnt am Samstag, 15.Oktober 2022, um 18 Uhr in der SALA ORTHEIL, Mittelstraße 16, mit einem „Herbstgespräch“. Ich erläutere meine gegenwärtigen literarischen Arbeiten und beantworte Ihre Fragen und Kommentare, die Sie zu allen nur denkbaren Themen einbringen können.

Für dieses Herbstgespräch in kleiner Runde (der Eintritt ist frei) sollten Sie sich bitte bis zum 27.09.2022 hier ortheil.hannsjosef@gmail.com anmelden (kommen Sie allein oder zu zweit?). Meine Mitarbeiterin Hanna Bernike wird Ihre Anmeldung bestätigen oder Sie bitten, es im nächsten Jahr noch einmal zu versuchen.

Eine Leserin, die bereits am „Sommergespräch“ (26.08.2022) teilgenommen hat, hatte die schöne Idee, die Unterhaltungen anschließend ab 20 Uhr (diesmal aber ohne mein Beisein)  während eines gemeinsamen Abendessens (in der „Alten Post“ in Wissen, am Siegufer) fortzusetzen. Auch dazu sollten Sie sich bis zum 27.09.2022 anmelden – und zwar hier: emmer-funke@t-online.de

Am Sonntag, 16.10.2022, können Sie um 11 Uhr im KulturWERK von Wissen die Lesung aus Ein Kosmos der Schrift und dem gerade erschienenen Buch Charaktere in meiner Nähe erleben.

Und am Nachmittag des 16.10.2022 könnten Sie um 17 Uhr an der Lesung des ukrainischen Schriftstellers Andrej Kurkow aus seinem neuen Buch Samson und Nadjeschda (ebenfalls im KulturWERK) teilnehmen.

Weitere Informationen (zu Karten für die beiden Lesungen etc.) finden Sie hier, in einem Artikel des AK- Kurier:

https://www.ak-kurier.de/akkurier/www/artikel/120792-wie-zu-beginn-des-jahrtausends–ein-literarisches-wochenende-in-wissen

Mit diesen schönen Aussichten und in Vorfreude wünsche ich Ihnen ein anregendes Wochenende!

Verabredungen mit einem Dichter

Gestern ist die 90minütige Doku (Verabredungen mit einem Dichter) von Frank Wierke über den früheren Hanser-Verleger Michael Krüger in die Kinos gekommen.

Hier erste Informationen: https://www.boersenblatt.net/news/literaturszene/langzeit-doku-ueber-michael-krueger-im-kino-254049

Ich empfehle diesen Film sehr, auch weil ich weiß, dass Michael Krüger nicht nur über seine verlegerischen Aufgaben und Ideen, sondern als Prosaautor, Lyriker und Essayist sprechen wird.

Sein Nachfolger im Hanser-Verlag ist übrigens Jo Lendle, der… wo?…- der einmal in Hildesheim Literarisches Schreiben studiert hat!

Alan Bennett erfindet The Queen

(Am 1.10.2022 auch als Kolumne im Kölner Stadt-Anzeiger, S.4)

In diesen Tagen nach dem Begräbnis der Queen habe ich oft versucht, mich an Sätze oder Texte von ihr zu erinnern, die in Erinnerung geblieben wären. Je länger ich überlegte, umso deutlicher bemerkte ich, dass und warum es solche Texte nicht gab. Die Queen war im wahrsten Sinn eine Ikone gewesen, ein Porträtbild vor monochromem Grund, leuchtend durch ihre dezidiert bunte, auffallende Kleidung, erstarrt in der bekannt wirkenden Gestik von Lächeln, Winken, Grüßen und Small talk.

Interviews hat sie keine gegeben, aber auch sonst stößt man nicht auf Texte, in denen sie etwas von ihren Ansichten oder ihren Gefühlen preisgegeben hätte. Ihre Reden schrieben andere, und private Äußerungen sind höchstens als spärliche Zitate in Anekdoten vorhanden, einer Kunst, in deren Ausübung sie von ihrem Mann, Prinz Philip, weit übertroffen wurde.

Mitten im digitalen Zeitalter, in der die Menschen geradezu danach gieren, sich in den verschiedensten Medien und Formaten zu äußern, ist die individuelle Sprache der Queen eine erstaunliche textuelle Leerstelle geblieben. Stattdessen setzte sie auf die körperliche Präsenz, den Auftritt, und auf theatralisch erscheinende Formen der visuellen Präsentation. Solche Selbstbeschränkung lockte Fotografen und Filmregisseure an, denen keine textuellen Felder oder Hürden im Weg standen. Die Wege zur Queen waren so schlicht geebnet wie die schnurgerade Mall, die sie zuletzt zurücklegte: Keine Umwege, das Volk auf Distanz, in geordneten, stillen Reihen an beiden Seiten.

Umso deutlicher erinnere ich mich aber an eine hinreißende Erzählung des britischen Schriftstellers Alan Bennett. In Die souveräne Leserin lässt er die Queen unvorbereitet und zufällig auf einen Bücherbus der Bezirksbibliothek von Westminster treffen, der in einem Gartenstück ihres Palastes im Abseits geparkt hat. Die Queen reagiert freundlich und nichtssagend, so, wie wir sie kennen. Sie unterhält sich mit dem Fahrer und dem Entleiher der Bücher, und sie scheint mit diesem gnadenlosen Small talk ganz auf der Spur ihrer sonstigen kurzen Wege zu bleiben. Aus lauter Freundlichkeit entschliesst sie sich, ein Buch auszuleihen und es mit nach Hause zu nehmen.

Diese Ausleihe ist die textuelle Infektion, die Bennett als Schriftsteller der Queen zumutet. Denn von diesem Moment an kann sie nicht mehr aufhören zu lesen, und wenn der Herzog von Edinburgh nachts mit einer Wärmflasche durch die Gänge schleicht, hört er sie im Schlafzimmer manchmal während ihrer Lektüren lachen: „Alles in Ordnung, altes Mädchen?“

Nein, nichts ist mehr in Ordnung, denn die Queen hat nicht angefangen, dann und wann ein wenig zu lesen. Benett macht aus ihr vielmehr eine souveräne Leserin, die eigene Vorlieben für Texte und geheime Textleidenschaften mit einem unverwechselbaren Profil entwickelt. Die Früchte dieses Entwicklungsromans kostet Benett dreist und unverfroren aus, wenn er etwa den französischen Präsidenten während eines Staatsbanketts neben der Queen Platz nehmen lässt. Sie will, ganz „unter uns“, viel und Genaues über den französischen Schriftsteller Jean Genet wissen. Der interessiert mich, sagt die Queen, und der Präsident lässt den Löffel vor lauter hilflosem Erstaunen sinken.

„Jene, die dienen, werden geliebt und in Erinnerung bleiben“, hat der Erzbischof von Canterbury in seiner Predigt während des Trauergottesdienstes gesagt. Das trifft die Präsenz der Queen als einer Frau, die auf alle sich anbietenden Möglichkeiten von aufdringlicher Selbstdarstellung mit äußerster Zurückhaltung reagierte, bis hin zur Sprachlosigkeit. „Jener, der sie zur starken Figur einer starken Erzählung machte, wird ebenso geliebt und in Erinnerung bleiben“, hätte der Erzbischof mit dem Blick auf Alan Bennett hinzufügen können. Womit er die literarische Kehrseite eines Mirakels benannt hätte, die zur Unsterblichkeit der Queen auf ihre Weise mit beitragen wird.

Meine Bücherernte im Herbst 2022

Wieder zu Hause angekommen, warten in der Post zwei neue Bücher auf mich – meine ganz persönliche Bücherernte des Herbstes 2022:

1) Francis Scott Fitzgerald: Der Moment der Schönheit. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helmut Moysich. Mit einem einleitenden Essay von Hanns-Josef Ortheil. Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung Mainz (bereits an die Buchhandlungen ausgeliefert)

2) Hanns-Josef Ortheil: Charaktere in meiner Nähe. Reclam Verlag Ditzingen (wird am 11.10. an die Buchhandlungen ausgeliefert).

Auf beide Bücher werde ich noch länger eingehen und sie vorstellen. Was ich aber bereits sagen kann: Beide sind eine „Augenweide“, d.h. ihre Ausstattung (Cover, Graphik, Papier etc.) ist vorzüglich und macht Freude!

Heimkommen im Herbst 2022 – Szenerien

Die letzte Station meiner zweiwöchigen Fahrten war München. Ich kam an, als gerade das Oktoberfest 2022 eröffnet wurde.

Italienische Freunde, die von der Adriaküste angereist waren, berichteten von schweren Unwettern bei Ancona, denen sie nur knapp entkommen waren.

Freunde aus den Alpen erzählten vom ersten Schneefall.

Ich kreiste durch die aus Jugendtagen sehr vertrauten Straßen der Maxvorstadt, wo ich mich früher häufig mit anderen Studenten auf ein Bier getroffen, Musik gehört oder Schach spielt hatte.

In der Schellingstraße begrüßte ich den Besitzer der Osteria Italiana, in der die letzte Szene meines Roman Die große Liebe spielt. Wir vereinbarten, dort im kommenden Jahr aus Anlass des Erscheinens des Romans vor dann zwanzig Jahren ein kleines Fest zu feiern. (Der Erzähler des Romans und Franca, die Meeresbiologin aus den Marken, werden anwesend sein.)

Zwei Freundinnen luden mich zu einem japanischen Abendessen ein. Wir saßen lange in einer neu eröffneten Sushi-Bar, dann setzte ich mich in den Wagen und fuhr die Nacht hindurch stundenlang nach Norden.

Weit nach Mitternacht kam ich an.

Die Kühle, der Regen, die lakritzene Dunkelheit, ich wusste, dass ich nicht würde schlafen können und blieb die ganze Nacht auf.

Soviel gesehen, soviel geschaut, soviel…

Ich schaute mir Fotos an, die ich auf meinem Smartphone gespeichert hatte. Der Film der Tage entstand, ich schrieb und schrieb…