Ein Gespräch mit der Pianistin Olga Scheps

Für dieses Wochenende habe ich eine besondere Veranstaltung im Blick. Die Pianistin Olga Scheps, in Moskau geboren, in Deutschland aufgewachsen, heute in Köln lebend, hat sich mit dem Musikredakteur des Domradios (Bernd Knopp) unterhalten und über viele Themen gesprochen, die sie bewegen:

https://www.domradio.de/video/talk-am-dom-mit-pianistin-olga-scheps-0

Seit langem  begleite ich ihre Konzerte und Auftritte aus der Ferne, einmal bin ich sogar zusammen mit ihr aufgetreten (in Paderborn) – ich habe Texte gelesen, sie hat dazu die passende Musik gefunden.

Deshalb freue ich mich besonders über das Gespräch, das im Kölner Domforum aufgezeichnet wurde.

Ihr nächstes Konzert in der Kölner Philharmonie habe ich auch schon im Blick. Es findet zwar erst am 19.2.2027 statt, doch meine Begeisterung ist schon jetzt groß, weil sie Robert Schumanns Klavierkonzert spielt, ein Konzert, das ich über die Maßen liebe und das in den letzten Kapiteln meines Debütromans Fermer eine zentrale Rolle spielt.

Allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs wünsche ich ein sonniges, erfülltes Wochenende.

Ein Sommer mit Goethe (von Gustav Seibt)

Ich lese gerade Gustav Seibts Buch „Ein Sommer mit Goethe“, das bei C.H.Beck erschienen ist. Es lehnt sich an französische Vorbilder an, die in Frankreich zunächst als Radio-Serie, aber auch in Buchform erschienen sind.

„Ein Sommer mit … – „Un été avec“ – das waren und sind vierzig kurze Hinführungen zu Details eines literarischen Klassikers, jede ist eine Viertelstunde und im Buch nur wenige Seiten lang. Gustav Seibt gönnt sich fünfzig, bei ihm hat jede etwa fünf Seiten und umkreist Motive, die nach Lust und vor allem Laune vorgegeben und dann anhand einiger Passagen aus Goethes Werken bespielt werden.

Damit verbindet sich ein Lese-, in erweitertem Sinn aber auch ein kleines Lebensprogramm. Wir sollen eine bestimmte Zeitspanne einer konzentrierten Lektüre vorbehalten und Goethes Kostpoben nicht als ödes Bildungspäckchen, sondern als Experiment verstehen, um in klassischen Werken Spuren eines nahen Denkens und Fühlens zu entdecken.

Daher heißt es: „Cut off the telephone. Nehmen Sie sich am besten jeweils eine halbe Stunde für die einzelnen Kapitel, zum Lesen – am besten laut – und zum Nachdenken.“ Die kurzen Wege durch Goethes Texträume sind sehr abwechslungsreich und lassen keine Langeweile aufkommen.

Mal geht es um einen lyrischen Evergreen, mal um „Modern Money Theory“, aber auch unerwartete Beobachtungen zu Goethes Schweigsamkeit oder diskrete Fragen danach, wo er eigentlich die Iphigenie geschrieben habe, werden auf entspannte und lockere Art behandelt.

Da der Sommer bevorsteht, bietet das Buch ein willkommenes Angebot, einen guten Lektüre-Vorsatz zu verwirklichen. Im Herbst könnten wir später zurückblicken und behaupten: In diesem herrlichen Sommer 2026 war ich täglich mit Goethe unterwegs.

Tintoretto in Venedig

In der Weihnachtszeit war ich in Venedig unterwegs und studierte im Sestiere von Cannaregio vor allem die Bilder Jacopo Tintorettos (1519-1594), der dort ein Leben lang gewohnt hat.

Nun widmet sich zu meinem Erstaunen auch ein „Stadt Land Kunst spezial“ von Arte Tintorettos venezianischem Dasein und belebt meine Freude an seinen Gemälden, die ich vor wenigen Monaten gesehen habe:

https://www.arte.tv/de/videos/129047-014-A/stadt-land-kunst-spezial/

Mario Adorf ist gestorben

Mario Adorf ist gestorben. Als Filmschauspieler und Schriftsteller hat er mein ganzes Leben begleitet. Ich erinnere mich gut an ein längeres öffentliches Gespräch, das ich mit ihm im Literaturhaus Stuttgart aus Anlass des Erscheinens eines seiner Bücher vor großem Publikum führen durfte.

Es gab ein Vorgespräch, wir saßen zusammen im Restaurant des Lithauses und unterhielten uns locker und entspannt. Plötzlich hielt er lächelnd inne, legte seine rechte Hand auf meine linke und sagte: „Hans, ich will Dir was sagen. Wir machen uns heute einen wunderschönen Abend. Du sagst ein paar Worte zur Einführung, und dann lese ich zwei meiner Erzählungen. Einverstanden?“

Genau so kam es dann, ich sagte ein paar Sätze, und er las und las, immmer begeisterter werdend …

Auf Phoenix ist ein Gespräch mit ihm zu verfolgen, in dem er auch über Grundlagen der Schauspielkunst – Talent, Handwerk und Ausarbeitung einer Rolle – spricht:

Allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs wünsche ich ein ruhiges, konzentriertes Wochenende!

Im Jahr des Pferdes

In diesem Jahr feiert Japan das Jahr des Pferdes. Während der Ostertage ging ich daher wieder einmal in das Museum für Ostasiatische Kunst in Köln (eines meiner Lieblingsmuseen), um mir eine Ausstellung anzuschauen, die das Pferd aus der Perspektive der Kunst zum Thema macht:

https://museum-fuer-ostasiatische-kunst.de/Zum-Mondjahr-des-Pferdes

Große, lichte Räume, schon das Entrée des Museums wirkt anziehend und bereitet auf die asiatisch akzentuierten Inspirationen vor.

Entrée
Entrée

 

Der Rundgang ist danach voller starker Entdeckungen, etwa dem eines gesattelten Pferdes aus der Tang-Dynastie (618-907).

Gesatteltes Pferd
Gesatteltes Pferd

 

Ich empfehle diese wunderbare Ausstellung sehr. Am 18. April eröffnet übrigens das kleine Museumscafé wieder, das leider lange geschlossen war. Darauf freue mich besonders – man schaut aus der Stille der Räume auf den Aachener Weiher!

Peter Sloterdijks neues Buch

Man könnte die Bücher des Philosophen und Erzählers Peter Sloterdijk als einen fortlaufenden durchdringenden Kommentar zu „Erscheinungen“ der Gegenwart lesen.

Sie werden analysiert, gedeutet – und mit einem weiten Horizont von Entstehungsprozessen verbunden.

Das macht Sloterdijks Bücher zu Philosophemen, die immer auch tief in die Erlebnisformen der Leserinnen und Leser eingreifen, sie orten und neu gestalten.

Heute ist in der FAZ sein neues Buch besprochen, ich habe es noch nicht gelesen, werde mich aber möglichst bald in die Lektüre vertiefen!

Der Fürst

Wolfgang Niedecken feiert Geburtstag

Heute feiert Wolfgang Niedecken seinen 75. Geburtstag! Und er tut das nicht im Stadion oder in der Lanxess Arena mit Tausenden von Fans, sondern in der Kölner Philharmonie!

Wo er auch nicht von seiner Band, sondern von einem Pianisten (Mike Herting) begleitet wird! Das Ganze ist als eine „poetisch“ verlaufende Feier angelegt, eher intim, eher ruhig, eher still: „Aus gegebenem Anlass. Zwischen Start und Ziel“.

https://www.koelner-philharmonie.de/de/konzerte/niedecken-zwischen-start-ziel/4984

Ich kann nicht verschweigen, dass diese Feier mich an meinen eigenen 75. Geburtstag erinnert, der so Gott will im November stattfinden wird.

Herzlichen Glückwunsch, lieber Wolfgang Niedecken – von einem langjährigen, begeisterten Verehrer aus Köln-Nippes!

Alexander Kluge

Alexander Kluge ist im Alter von 94 Jahren in München gestorben. Ich kannte kaum einen anregenderen Denker, der auf vielen Terrains (Literatur, Film, Produktionen von Gesprächssendungen mit vertrauenswürdigen Partnerinnen und Partnern) unterwegs war und eine unglaubliche Fülle von Themen ansprach, neu dachte und in Bewegung hielt.

Nach seinem Tod habe ich mich wieder in sein literarisches Hauptwerk, die „Chronik der Gefühle“ (zwei Bände, ingesamt 2000 Seiten) vertieft. Nachts habe ich von seinen Erzählungen geträumt und war mit ihm im Osten Europas unterwegs.

Um einen ersten Einblick in sein Denken zu vermitteln, leite ich ein Gespräch weiter, das er mit Klara Obermüller nach dem Erscheinen der „Chronik“ auf 3sat geführt hat. Es ist auch eine Einführung in seine Themenwelt:

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein gedankenreiches Wochenende und einen guten Einstieg in  die Karwoche!

Canaletto und Bellotto in Wien

Der Frühjahrsbeginn 2026 könnte auch ein Signal dafür sein, im Wiener Kunsthistorischen Museum eine Ausstellung (bis 6.9.2026) zu besuchen, die uns die Entstehung der bekanntesten Schaubilder Venedigs in Bildern von Canaletto (1697-1768) und Bellotto (1722-1780) vor Augen führt:

https://www.khm.at/ausstellungen/canaletto-bellotto

Wir könnten erfahren, wie der Großraum Venedigs für den Blick konzipiert wurde – für den aus der Höhe, für den Rundumblick und für den auf die Häuser entlang des Canal Grande, der die architektonischen Feinheiten der letzten Jahrhunderte aufblättert.

Zur Vor- oder Nachbereitung empfehle ich:

Steine von Venedig