Unterwegs im Reiseblatt der FAZ

Am letzten Donnerstag ist im Reiseblatt der FAZ  eine besonders schöne Besprechung meines Buches Unterwegs im Westerwald (Insel-Taschenbuch) erschienen.

„Schön“ deshalb, weil sie genau auf jene Momente und Motive meines Landschaftsporträts abhebt, die mir selbst wichtig waren.

Kurios und einzigartig ist aber noch etwas anderes. Auf der Seiten der Buchbesprechungen haben alle Artikel Überschriften erhalten, die Titel meiner Bücher sind: Köder, Beute und Schatten.., Die weißen Inseln der Zeit…, Im Licht der Lagune…

Hier zum Nachschauen, verbunden mit vielen Wünschen für ein kreatives  Wochenende:

Ingeborg Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt

Heute kann man ab 10 Uhr auf 3sat die Übertragungen vom Ingeborg Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt verfolgen. Vierzehn Autorinnen und Autoren aus Österreich, der Schweiz und Deutschland lesen noch unveröffentlichte Texte und stellen sich einer Jury, die dafür Punkte und am Ende auch Preise vergibt.

Interessant sind auch die kurzen Videos, mit denen sich die Vorlesenden vorstellen. Sie sind bereits abrufbar und wirken wie Visitenkarten, mit deren Hilfe das Interesse an den Texten geweckt werden soll.

Auch diesmal ist ein junger Autor dabei, der an der Universität Hildesheim Literarisches Schreiben studiert hat: Juan Guse. Er liest am Samstag um 12 Uhr, ich drücke ihm die Daumen.

Alle notwendigen Informationen findet man hier (wenn die Texte gelesen sind, werden sie auch ins Netz gestellt, zum langsamen Nach-Studium, sehr empfehlenswert!): www.bachmannpreis.orf.at

Jean-Louis Trintignant

Ich erinnere mich an viele Filme mit dem französischen Schauspieler Jean-Louis Trintignant, die ich seit den 1960er Jahren gesehen habe. Ich mochte ihn sehr, weil er nichts Auftrumpfendes, Effekthascherisches hatte, sondern in beinahe jeder Rolle einen nachdenklichen, umsichtigen Typus verkörperte.

Vor wenigen Tagen ist er im Alter von 91 Jahren gestorben. ARTE widmet ihm heute einen Abend.

Zunächst ist er um 20.15 Uhr (zusammen mit Romy Schneider) in der Verfilmung einer Kurzgeschichte voin Georges Simenon (Le train – Nur ein Hauch von Glück) zu sehen.

Sehr sehenswert ist danach auch (21.50 Uhr) die Doku Trintignant über Trintignant, in der er die Geschichten seines Lebens erzählt.

Sommeranfang

21. Juni – Sommeranfang… – Erinnerungen an einen frühen Film von Ingmar Bergman: Das Lächeln einer Sommernacht (1955)…, den ich mir noch einmal auf DVD anschauen werde.

Für alle, die sich (auch) mit dem Schreiben und der Schrift beschäftigen, sind als Ergänzung und beste Einführung in sein Werk die „Arbeitstagebücher 1955-2001“ (Ich schreibe Filme) erschienen (Berenberg Verlag).

Mit ihrer Hilfe und der Handreichung vieler Notate und Überlegungen kann man das allmähliche Entstehen seiner Film-Ideen und ihrer Ausführung genau beobachten. Man studiert seine Arbeit von den Quellen her – und das ist viel besser als der Einstieg über Interpretationen und Kommentare durch andere, entferntere Autorinnen oder Autoren.

Ein neun Minuten langer Rundumblick von ARTE könnte ein Einstieg und Lustmacher sein: Bergman sehen?!

Eine kurze Auszeit – verbunden mit einer Bitte

Liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs,

um an meinem Buchprojekt „Kunstmomente“ (Frühjahr 2023 bei btb) noch intensiver arbeiten zu können, lege ich eine kurze Auszeit ein. Am 21. Juni 2022 können Sie meinen nächsten Eintrag lesen.

Sollten Sie diesen Blog regelmäßig verfolgen, würde ich mich  – nun, etwa in der Mitte des Jahres 2022 – über eine finanzielle Unterstützung und Anerkennnung sehr freuen.

Überweisen Sie Ihren Dank bitte auf das Konto DE34 4604 0033 0368 1574 00 der Commerzbank Wissen (BIC COBADEFFXXX) und fügen Sie Ihrer Überweisung den Vermerk „SALA Ortheil“ hinzu.

Sie zeigen damit nicht nur, dass Sie diesen Blog schätzen und weiter am Leben erhalten wollen, sondern helfen auch, meine SALA in Wissen/Sieg in ihrer Existenz für die Zukunft zu sichern.

Fotografieren

Manche Texte in diesem Blog begleite ich mit Fotografien, die ich „bei Gelegenheit“ hier und da gemacht habe. Sie interpretieren, erweitern oder ironisieren den Text – das jeweils zu deuten, überlasse ich den Leserinnen und Lesern.

Mit dem Thema „Fotografie“ beschäftige ich mich momentan besonders intensiv. In meinem im kommenden Frühjahr 2023 erscheinenden Buch „Kunstmomente“ (btb) wird ihm ein eigenes Kapitel gewidmet sein.

Dabei gehe ich zunächst den ersten Impulsen des eigenen Fotografierens nach. Wann genau habe ich damit begonnen? Warum? Was habe ich fotografiert, was nicht? Habe ich meine Fotografien gesammelt/ häufiger betrachtet/ anderen gezeigt?

In den fünfziger Jahren, als ich mit dem Fotografieren in Köln begann, wanderten die Fotografien noch in Fotoalben. Ganz anders als heute überlegte man sich genau, was man fotografierte – allein schon deshalb, weil Filme und Abzüge teuer waren. Bloßes Knipsen kam nicht in Frage, jede Fotografie erschien wie eine Untersuchung eines Lebensmotivs, das mit einer „Zurschaustellung“ nichts zu tun hatte. Die Räume des Motivs blieben, im Album gesammelt, vielmehr intim, denn das Album reichte man nicht überall herum, sondern zeigte es nur Menschen, die einem nahestanden.

Im Zeitalter von Instagram hat das Fotografieren einen ganz anderen Charakter. Welchen genau? Was ist jetzt noch eine Fotografie? Warum macht man sie?

Mein Nachdenken über das Fotografieren wird sich also auf sehr unterschiedliche historische Zeiträume konzentrieren: 1) Auf das der offiziellen Fotografie durch Berufsfotografen (Anfang des 20. Jahrhunderts), 2) Auf das der beginnenden Privatfotografie (etwa seit den zwanziger Jahren), 3) Auf das Fotografieren im Zeitalter der Fotoalben, 4) Auf das digitale Fotografieren.

Putins Dr.-No-Monologe

(Am 9.6.2022 auch als Kolumne im „Kölner Stadt-Anzeiger“, S. 4)

Mehr als hundert Tage nach Beginn des Ukraine-Krieges scheint die Vorstellungskraft vieler meiner Freunde allmählich zu erlahmen. Die täglichen TV-Reportagen erreichen sie nicht mehr so aufwühlend wie früher, und die hierzulande geführten Debatten über Rüstungslieferungen erscheinen wie politische Ersatz- oder Scheingefechte, deren Rhetorik mit keinerlei real erscheinenden Anschauungen verbunden ist.

Dennoch ist der Krieg noch immer allgegenwärtig und legt sich mitsamt der Nachrichten und Bilder wie ein nicht fassbares Zweitleben auf den gegenwärtigen Alltag. Das führt zu viel Innehalten und laufend gestellten Fragen danach, welche Reaktionen und Antworten für den Einzelnen möglich und angemessen sind.

Einige Freunde rühren sich nicht mehr vom Fleck und verfolgen den Krieg wie gelähmt, als wollten sie erst wieder planen, wenn er vorüber ist. Andere engagieren sich in Hilfskomitees und fühlen sich dann meist konkreter mit den Ereignissen verbunden. Sie unterstützen Flüchtlinge, unterrichten Kinder und Jugendliche oder vermitteln ukrainischen Familien Arbeit und Unterkunft.

Die Potenzen der Vorstellungskraft werden trotz alledem schwächer, weil die möglichen Absichten und Strategien der russischen Seite längst nicht mehr zugänglich oder gar begreifbar erscheinen. Ein Freund erzählte mir, dass die seit Kriegsbeginn gezeigten Bilder Putins, der wie ein einsamer Akteur in seinen menschenleeren Rückzugsräumen nur noch auf Fragen dienstbarer Journalisten antwortet, ihn an James Bond-Filme der frühen sechziger Jahre erinnern. Dort gab es (wie etwa in der Gestalt des Dr. No) den fanatischen Einsamen auf einer Insel, der über Atomwaffen verfügte und sich dafür rächen wollte, dass man seine Ideen nicht angemessen gewürdigt und anerkannt hatte.

Eine ähnlich absurde und früher für verrückt gehaltene Konstellation erscheint nun wieder, als verwirklichten sich jetzt Fantasien, die man einmal für bloße Wahnvorstellungen und lediglich für einen Stoff von Filmdrehbüchern gehalten hatte. Dass sie von russischer Seite aus realisiert werden, ist mit den Mitteln althergebrachter Vernunft nicht zu verstehen. Alle Erklärungen aus dem Zentrum des Aggressors, ausschließlich von ihm selbst vorgetragen, ignorieren vielmehr den Anspruch an ein aufgeklärtes Denken, das sich einmal auf jederzeit möglich erscheinende Verständigungsformen in Konfliktfällen verlassen hat.

Inzwischen aber ist die Verrücktheit schon soweit gediehen, dass es solchen Gesprächen an den notwendigsten Grundlagen fehlt. Wie soll man mit Menschen verhandeln, die nicht nur ein anderes Weltbild, sondern sogar – viel diffuser und gefährlicher – eine ganz andere Vorstellung vom Realen haben? Putins Erzählungen sind Dr. No-Monologe, die nicht die geringsten Ansatzpunkte für so etwas wie Dialoge hergeben. Die Atmosphären, denen solche Monologe entstammen, wirken nicht zufällig kalt und erstarrt, als wären sie künstlich.

All das hinterlässt den gegenwärtigen Eindruck eines kaum noch auflösbaren Stillstands, der immer mehr wie ein Perpetuum mobile des Krieges erscheint. Zerstörte Städte und Landschaften, Tausende von Toten, Millionen von Flüchtlingen bilden den furchtbaren Realitätsgehalt solcher Eindrücke, die von keinen denkbaren Lösungsideen mehr begleitet werden. Genau das führt zu der latenten Verzweiflung, die viele meiner Freunde gegenwärtig spüren. Die Vorstellungskräfte drohen zu versiegen, und kein Geheimagent ist in Sicht oder denkbar, der den einsamen Aggressor auf seiner Insel noch erreichen könnte.

Kurze Begegnung nach einem Gewitter

Die graue Gewitterfront füllt den Horizont, von einigen matten Blitzen durchzogen. Der letzte Regenschauer breitet sich duftend aus, und in der westlichen Ferne leuchten die ersten helleren Kontinente.

Genau der richtige Moment für den Aufbruch! Kein Mensch ist zu Fuß im Wald unterwegs, auch kein Radfahrer, als hielten sie sich zurück, unsicher, ob das Gewitter nicht noch ein weiteres Mal aufzieht.

Die Regentropfen zu beiden Seiten der Wege wie dünne Schleier, durch die bald die ersten Strahlen blitzen. Weltaufgangsstimmung! Der feuchte Boden zieht sich zusammen und ebnet den kleinen Gewässern schmale Pfade und Wege.

Da kommt mir der Waldmensch entgegen, mit bloßen Füßen und nacktem Oberkörper, nur mit einer schwarzen Turnhose bekleidet. Wir passieren einander, und ich überlege, ob ich ihm etwas zurufen soll, lasse es aber bleiben.

Einige Schritte weiter schaue ich mich nach ihm um. Er geht rasch, und ich ahne nicht, woher er kommt und wohin es ihn treibt.

Als ich ihm nachblicke, bleibt auch er plötzlich stehen und schaut, als hätte er meinen Blick zu spüren bekommen. Er hebt beide Arme und zuckt kurz mit den Schultern: Ich weiß ebenso wenig wie Du, scheint er sagen zu wollen.

Ich winke ihm zu, als wollte ich ihn verabschieden. Da nickt er und geht, laut mit sich selbst sprechend, noch schneller voran.

Bonifatius

Als Einstimmung auf Pfingsten empfehle ich eine Dokumentation über den heiligen Bonifatius (um 673-754/755), dessen Todestag der morgige 5. Juni ist:

https://www.arte.tv/de/videos/101930-000-A/bonifatius-moench-und-prediger/

Einiges verbindet mich mit ihm, nicht nur seine Reise nach Rom, sondern auch seine Nähe zu Köln, aber auch seine spätere Bischofszeit in Mainz, wo vor dem Dom eine Bonifatius-Skulptur steht.

Als Mönch und Missionar führten ihn seine Reisen im Frühmittelalter durch große Teile Europas – bedeutende Klostergründungen gehen auf ihn zurück.

Die Bonifatius-Landkarte macht deutlich, wie und wo das frühe Christentum geistige Zentren gründete, die später das Leben Europas stark mitbestimmten und prägten.