Bernd und Hilla Becher

Momentan bin ich auf den Spuren von Bernd & Hilla Becher. Im Hintergrund ihrer Biografien lauert eine weite Geschichte, ja sogar ein großer Roman. Den werde ich aber wahrscheinlich nicht schreiben. Oder doch?!

Vorerst übe ich mich in Geduld, wie man so sagt. Geduld ist gut für die ersten, noch unbeholfenen Schritte und die Sichtung des Materials. Also:

Bernd Becher wurde 1931 in Siegen geboren, schon das hat mich in früheren Zeiten oft aufhorchen lassen. Siegen – das ist „nördlicher Westerwald“, „Siegerland“ – und von dort komme auch ich.

1931 in Siegen geboren, war Bernd Becher der Sohn eines Dekorationsmalers. Früh begann er zu zeichnen, angezogen von allem, was er in seiner Siegerländer Umgebung vorfand: Siegerländer Fachwerkhäuser, Straßen, Kirchen, aber auch Industrieanlagen, von denen es gerade im Siegerland zu Bechers Jugendzeiten noch viele intakte gab.

Die großen, monströsen Gebilde faszinierten ihn, er wollte sie genau festhalten und porträtieren, doch er bemerkte, dass der Zeichenstift dafür auf die Dauer zu langsam war. Kaum hatte er eine der großen Anlagen gezeichnet, veränderte sie sich, wurde teilweise ab- oder umgebaut. Also musste der junge Becher eine andere Methode der Aufzeichnung wählen – und es lag nahe, dass er mit dem Fotografieren begann.

Mit Hilfe von Fotografien fixierte der junge Becher das Siegerland. Sein Vater Josef versuchte, aus ihm einen Dekorationsmaler zu machen, wie er selbst einer war. Einige Jahre arbeitete der junge Bernd in seiner Werkstatt, dann trennte er sich von der Dekorationsmalerei und begann ein Grafikstudium in Stuttgart und später ein Typografie-Studium in Düsseldorf.

In der Nähe von Siegen gibt es in dem kleinen Ort Mudersbach noch ein Siegerländer Fachwerkhaus, das sein Großvater gebaut hat. Es wurde von zwei Tanten bewohnt, die er auch deshalb sehr mochte, weil sie ihn in seinen Jugendjahren unterstützten und eine Art zweiter Heimat boten.

Der junge Bernd Becher besuchte sie daher häufig und fühlte sich in Mudersbach wohl. Ein Siegerländer Dorf, die Siegerländer Landschaft mit ihren bewaldeten Hügeln und den Hochöfen – in diesen Jugendjahren entzündete sich das Feuer, das später das ganze Leben von Bernd Becher bestimmen und ihn zu einem der großen Fotografen des zwanzigsten Jahrhunderts machen würde…

(Fortsetzung folgt. Die Fotografie zeigt das Becher-Haus in Mudersbach, das ich neulich besucht habe…)