Habe wieder wie meist im Sommer eine Fülle von kleinen Ticks. Mich verführt das sommerliche Freiheitsgefühl, das in der Kindheit entstand. Und nun denke ich alter Esel, dass es ganz ähnlich rundgehen sollte. Täglich schwimmen, Fahrradfahren (zumindest eine kleine Strecke, als Versuch), Musik hören und machen (leider allein), lesen, aber bitte, nur im Freien, hinter und unter Bäumen, im Schatten. Viel notieren und ausschließlich packende Gedanken ventilieren (wenn das bloß so einfach wäre!).
Am Kölner Rheinufer konnte mich in letzter Minute eine vorbeischleichende Person davor bewahren, ein paar Meter in den Fluss zu gehen: „Tun Sie das nicht, bitte nicht!“ Ist ja gut, ich hatte mich doch nur mit den Füßen hineingetraut. „Auch das nicht, tun Sie das nicht!“ Ist in Ordnung, ich tue es nicht, dabei fällt es besonders im Sommer sehr schwer, den liebgewordenen Freuden zu entsagen.
Lenke mich stattdessen mit kleinen Spielereien ab, zum Beispiel mit Instagram, dem Poesiealbum für die reifere Jugend. Darüber, was da …gepostet wird (puuh, schon allein dieses Wort!), müsste jemand mal einen guten Essay schreiben. Gibt es den? Über die Texte, die Bilder, den ganzen Kuddelmuddel? Nee, ich schreibe das nicht, soll mich bitte niemand bereden, es selbst zu versuchen. Bitte nicht, sage ich in Anlehnung an vorbeischleichende Personen, die es absolut gut mit mir meinen.
An Sommertagen gehört auch der Besuch von gekühlten Kultstätten zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. In eine Kirche, ein Museum etc. gehen und nur ein einziges Objekt (nach kurzer vorausgehender Musterung mehrerer Objekte) betrachten und einverleiben. Huch, „einverleiben“ ist reichlich pompös, aber an guten Sommertagen wird eben „einverleibt“, weil die Sinne und Poren sich öffnen, Dampf ablassen und den abgelassenen Dampf durch Bilder, Klänge und innere, stete Gesänge auf mehr als merkwürdige Weise ersetzen.
Geht es Dir gut? – was schreibst Du da gerade? Bitte nicht lange drüber nachdenken…, sagen gleich drei vorbeischleichende Personen unisono. Ich gebe nach, und zwar „zeitnah“ (puuh, schon wieder so ein bleiernes Hohlwort).