Erich Garhammer (geb. 1951) ist Theologe und Germanist. Viele Jahre lehrte er an den Universitäten von Paderborn und Würzburg Pastoraltheologie und Homilektik, wodurch er bereits von Amts wegen sowohl mit der Praxis christlicher Lehre als auch mit ihrer Umsetzung in der Predigt betreut war.
Lange Zeit hat er sich an einer Kirchensprache gerieben, die „häufig geprägt ist von Floskeln, Klischees, Allgemeinplätzen oder von einer positivistischen Tatsachensprache“. Dem hat er in vielen Veröffentlichungen die Idee eines „poetischen Glaubens“ entgegengehalten, deren Metaphern und Texte er vor allem aus der neueren und neusten deutschsprachigen Literatur bezog und herleitete.
Dadurch ist Erich Garhammer zum seltenen Fall eines Lehrers geworden, der sich als ein Brückenbauer zwischen Theologie und Literatur versteht. An beiden Sprechweisen und Textformen interessieren ihn die Momente des Fragens, des nachdenklichen Innehaltens und des ausholenden Erzählens, bis hin zum Zweifel, inwieweit sich „christlicher Glaube“ überhaupt sprachlich fixieren lässt.
In seinem neusten Buch „Spitz-fündig. Plädoyer für einen poetischen Glauben“ (Echter Verlag Würzburg) begibt er sich in fast detektivischer Manier auf Text-Spuren von Ilse Aichinger, Friedrich Christian Delius, Annie Ernaux, Thomas Hürlimann, Marie Luise Kaschnitz, Uwe Kolbe, Reiner Kunze, Christian Lehnert, Petra Morsbach, Hanns-Josef Ortheil, Angelika Overath, Arnold Stadler und vielen anderen.
Garhammer rührt diese Passagen nicht zu Bekenntnissen zusammen, sondern lässt jede einzelne so aus- und durchatmen, dass sie wie ein eigenständiges Molekül erscheint. Mit Glaubensanmutungen vermischt, beginnt es zu funkeln und das sicher Geglaubte in Schwingungen zu versetzen.
„Poetischer Glaube“ beschert aber nicht nur Glaubensvarianten der Sprache, sondern auch Glaubensvariationen in dem Sinne, dass sie sich anders niederschlagen als im gewohnten Knien, Beten und Bekennen. Das befreit die Liturgie von ihren starren Absichten und mutet ihr Momente des Gesprächs zu, die Zuhören und Umdeuten verlangen.
Die Texte des „poetischen Glaubens“ lassen sich daher als Predigten anderer Art verstehen. Es sind solche, die in Erinnerung bleiben und stark nachwirken.
Im kommenden Jahr werde ich solche Themen aufgreifen und beleben. So werde ich mit Erich Garhammer darüber im Januar 2026 im Rahmen einer Lesung im Freisinger Dommuseum nachdenken, und mich im April 2026 ebenfalls im Rahmen einer Lesung mit Bischof Peter Kohlgraf in Mainz über solche Themen unterhalten. (Die genauen Termine werde ich zum gegebenen Zeitpunkt in diesem Blog nennen.)
