Bald melde ich mich mit meiner Auswertung der Rückmeldungen von Leserinnen und Lesern dieses Blogs auf 2000 Beiträge.

Heute dagegen mache ich erstmal weiter im Text. In Berlin habe ich ein wunderbares, selten kluges Solistenkonzert in der Philharmonie erlebt. Der isländische Pianist Víkingur Ólafsson spielte mehrere Kompositionen in E-Dur und E-Moll. Die beiden Tonarten waren gleichsam die Vorgaben der feinen Klanglinien, die den Abend durchzogen.
Ólaffsson begann mit einem E-Dur-Präludium von Johann Sebastian Bach, gefolgt von Beethovens Klaviersonate opus 90 in E-Moll. Dann Bachs 6. Partita in E-Moll, dem Schuberts kurze Sonate D 566 in E-Moll antwortete. Und zum Schluss: Beethovens große Sonate in E-Dur, op.109.
Das Programm dauerte 80 Minuten – und gespielt wurde es ohne jede Pause. So dass sich Zuhörer, die mit den Stücken nicht genauer vertraut waren, fragen mochten: Wo sind wir/bin ich gerade, in E-Dur, in E-Moll? Und in welchen Kontinenten? Beethoven? Schubert, aber welcher Satz?
Die einzelnen Sätze gingen ineinander über und stellten wie nebenbei auch Fragen nach der Art des Umgangs mit einer Tonart. Wie gestaltet Bach ein E-Dur? Wie tun es die anderen Komponisten? Welche Eigen- und Besonderheiten waren beim Hörer zu bemerken, bis in die letzten Bereiche der Physis?
Ich war sehr froh, einmal einen so klar strukturierten, ja fast „komponierten“ Solisten-Abend zu erleben. Seit heute ist das Programm auf CD und Schallplatte (Deutsche Grammophon) abrufbar. Viel Freude damit!