Ich lese gerade Hanns Zischlers Buch „Der Bleistift“ (mit Illustrationen von Hanna Zeckau), das in der schönen Reihe „Dinge des Lebens“ im Residenz Verlag erschienen ist.
Zischler liebt Bleistifte, und er betrachtet sie mit einer beinahe rührenden Anhänglichkeit so genau, als wären es kleine Lebewesen. Seine Bleistifte machen nicht viel her und tun sich nicht hervor, anders als „die spratzende Tinte, der krakeelende Kugelschreiber oder der wichtigtuerische Filzstift“. Stattdessen bleiben sie treue und lebenslange Begleiter und sind immer zur Hand, um kurze Notizen, geheime Zeichen oder auch malerische Skizzen aufs Papier zu bringen.
Betreut man sie gut, sind ihre Minen stets einsatzbereit und werden in Notfällen von einem Radiergummi begleitet. Ihre Herkunft ist eine aus Zeiten der Kindertage, als sie die auf Schiefertafeln kratzenden Griffel ablösten und zu einem Gebrauchsinstrument für jeden Alltag und die Seitentasche wurden.
Je länger man in Zischlers Büchlein liest, umso stärker wird man verführt, wieder in diese Atmosphären der frühen Tage einzusteigen, um geduldig und vor allem mit der Hand zu schreiben, zu zeichnen und zu malen.
Das kommt wissenschaftlichen Entdeckungen unserer Zeit entgegen, die zu einer Wiederbelebung des handschriftlichen Schreibens an Schulen führten. Es verbindet auf motorisch intensive Weise die Buchstaben mit dem Gehirn und lässt ihnen genug Zeit, um fortgesponnen und erinnert zu werden: „…er war einfach überall, unscheinbar, doch unübersehbar. Kein Spielzeug und kein Zauberstab.“ Es lebe der Bleistift!
