Literarische Cookies

Am vergangenen Samstag (23. Mai 2026) habe ich in der ausverkauften SALA ORTHEIL in Wissen/Sieg (www.salaortheil.de) Francis Scott Fitzgeralds geniales „Notebook“ („Der Moment der Schönheit“, übersetzt von Helmut Moysich) vorgestellt. Darin hat er jahrzehntelang seine Eindrücke und Beobachtungen von Charakteren, Atmosphären, Emotionen, Handlungen, Dialogen, Ideen u.a gesammelt und in knapper Notatform festgehalten.

Einige Beispiele. Atmosphären: „Im Sommer war Musik im Haus etwas Merkwürdiges; gestört vom lauten Summen der Ventilatoren legte sie sich unruhig über die vibrierende Hitze.“ (S. 45) Gefühle: „Die prickelnde Staccato-Freude der Begegnung.“ (S. 74) Beschreibungen: „Ein Stirnrunzeln, ein haarfeiner Schatten zeigte sich zwischen ihren Augen.“ Ideen: „Weit verstreute, getrennt lebende Familie erbt ein Haus, wo jetzt alle zusammenleben müssen.“ (S. 113) Charaktere: „Einmal versuchte ich, auf einer Fähre eine echte Schiffsparty steigen zu lassen.“ (S. 139)

Die knappen, hochgradig verdichteten Sequenzen sind eine ideale Schatz- und Übungskiste für das eigene Schreiben.

Fitzgerald hat diese skizzenhaften literarischen Details (ich nenne sie „literarische Cookies“) später in Segmente seiner Romane verwandelt.

Der Moment der Schönheit

Für Fitzgeralds Techniken begeistere ich mich seit langem, auch deshalb, weil sie meinem eigenen Notizverfahren ähneln. Darüber schreibt der Journalist Elmar Hering in seinem Feuilleton über den Abend in Wissen (Rhein-Zeitung): Fitzgeralds Arbeitsweise „ist Ortheil  nicht völlig fremd. Er selbst fertigt seit vielen Jahren Notizen an, sichert somit Gedanken und Alltägliches. Auch als Professor für Kreatives Schreiben vermittelte er diese Methode. Kein Wunder, dass er prädestiniert war, den „Moment der Schönheit“ mit einem Essay einzuleiten.“

Liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs. Jetzt ist Zeit, dass Sie auch einmal aktiv werden. Schicken Sie mir doch bitte bis zum Wochenende zwei bis drei Cookies, jeweils in einem Satz oder in wenigen Sätzen! (ortheil.hannsjosef@gmail.com)

Ich freue mich darauf und werde einige Ihrer Texte (ohne Namen zu nennen) veröffentlichen!