Bevor ich die von mir lektorierte Fassung des Textes Kopfsteinpflaster morgen in diesem Blog veröffentliche, einige kurze, einleitende Überlegungen zum Lektorieren und Nachdenken!
1) Ich mache mich durch mehrmaliges langsames Lesen mit dem Text vertraut. 2) Ich versuche, ihn von Inhalt und Struktur her zu erfassen. In diesem Fall ist es ein kurzer Prosatext als innerer Monolog einer Ich-Erzählerin. 3) Wie ist das Verhältnis von Inhalt und Struktur? Das Verhältnis beruht auf fortlaufender, punktueller Beobachtung eines Weltausschnitts, wodurch ein steter, gleichmäßig verlaufender Erzählrhythmus entsteht. 4) Wohin führt das als ganzes? Es führt zu dem Versuch, das gleichmäßige Beobachten auf einen Sinn zu befragen. 5) Der könnte am Ende darin bestehen, nichts Übergeordnetes zu fixieren, sondern das schweifende Beobachten von Stein zu Stein als „sinn-voll“ zu begreifen.
Wie könnte das Lektorat auch anders verlaufen? Ich könnte der Verfasserin des Textes Varianten vorschlagen (Erzählen in der 3. Person?/ Sprunghafteres Erzählen?/ Einbeziehen von menschlichen Figuren?/ Ausbauen des Dialogs am Ende als Resumé des Ganzen? etcetc.)
Das alles aber werde ich bei dem vorliegenden Text nicht tun. Ich möchte ihm als Lektor folgen (und ihn nicht umformen etc.). In seiner jetzigen Struktur gefällt er mir genau deshalb, weil er ein konkretes Beobachtungsfeld berührt und nicht springt.
Deshalb widme ich mich ihm. Ich mache mit und streiche höchstens hier und da kleinere Passagen/Stellen, die der Homogenität des Textes entgegenstehen (wie etwa die Einführung einer Figur).
Resumé: Ein förderndes Lektorat sollte entstehen, das den guten Text ein wenig schlanker, straffer und energischer macht, seine schweifende Struktur aber beibehält.
So, jetzt kennen Sie einige Anregungen für das Lektorieren und können sich selbst an die Arbeit machen, um den Text „Kopfsteinpflaster“ zu lektorieren.